Wohngebäudeschutz: Smart aus der Krise

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Die Wohngebäudeversicherung ist 2018 wieder deutlich in die roten Zahlen gerutscht. Sind Preissteigerungen jetzt unvermeidbar oder haben die Versicherer eine Lösung parat?

Wohngebäude Leitungswasser Rohrleitung

„Leitungswasserschäden sind in der Gebäudeversicherung ein zentrales Problem und für die Verlustsituation der Branche verantwortlich.“ Dr. Christof Mackrodt, Provinzial Rheinland.

Keiner war so zerstörerisch wie Friederike. Um 9 Uhr erreichte an diesem 18. Januar 2018 – auf den Tag genau elf Jahre nach Orkan Kyrill – Wintersturm Friederike Deutschland. In Aachen, wo die Sturmausläufer zuerst aufschlugen, verzeichneten die „Aachener Nachrichten“ über 200 sturmbedingte Einsätze von Feuerwehr und Polizei. Mehrere Häuser wurden durch herabstürzende Bäume stark beschädigt, allein im Stadtgebiet ging der Schaden in die Millionen.

Insgesamt entstand in Deutschland laut GDV ein Schaden von über einer Milliarde Euro. Damit war Friederike der „Höhepunkt“ einer kostenintensiven Sturmsaison 2017/2018 gewesen. „2018 zählt zu den vier schwersten Sturmjahren der vergangenen 20 Jahre“, verkündete GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Vor allem die Wohngebäudeversicherung hat die Auswirkungen des Sturmjahres zu spüren bekommen. Nachdem die Anbieter zwei Jahre lang Gewinne verbuchen konnten, rutschte die Wohngebäudeversicherung mit einer Combined-Ratio von 108 Prozent wieder tief in die roten Zahlen. Für die Anbieter ist dies keine vollkommen neue Situation: Bis auf die Jahre 2016/2017 erwies sich die Wohngebäudeversicherung zuletzt konstant defizitär.

Immer Mehr „Reparaturversicherung“

Stürme wie Friederike haben ihren Teil dazu beigetragen. Das weitaus größere Problem ist jedoch weniger medienwirksam: Leitungswasserschäden. Laut Zahlen des GDV waren gebrochene Rohre und leckende Dichtungen für knapp die Hälfte aller Schäden (49 Prozent) in der Wohngebäudeversicherung in den vergangenen 15 Jahren verantwortlich. Sturm- und Hagelschäden kamen nur auf 25 Prozent. Rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden werden den deutschen Versicherern im Jahr gemeldet – das ist einer alle 30 Sekunden. Statt existenzielle Risiken abzusichern, wurde aus der Wohngebäudeversicherung immer mehr eine „Reparaturversicherung“.

Selbst in Jahren ohne großflächige Naturkatastrophen wurde die Wohngebäudeversicherung für viele Anbieter zum Verlustgeschäft. So schrieben 2017 laut „Branchenmonitor Wohngebäudeversicherung“ von V.E.R.S. Leipzig 40 Prozent der untersuchten Versicherer rote Zahlen im VGV-Geschäft.

Seite 1: Wohngebäudeversicherung immer mehr eine „Reparaturversicherung"
Seite 2: Problem an der Wurzel packen
Seite 3: Verbesserte Schadenabwicklung

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare