Wohngebäude-Urteil: Ist eine Duschkabine Teil der Wasserleitung?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Das Landgericht Magdeburg war der Argumentation des Wohngebäudeversicherers im September 2017 zunächst gefolgt (Az: 11 O 114/17). Im Berufungsverfahren vor dem Naumburger OLG erhielt jedoch die Hauseigentümerin Recht.

Die dortigen Richter erklärten, dass eine Duschkabine sehr wohl als eine verbundene sonstige Einrichtung anzusehen sei, die in der Police mitversichert ist. Denn der Begriff „Einrichtung“ sei bewusst abstrakt formuliert und deshalb weit auszulegen. Damit würde er auch alle in einem Haus üblicherweise vorhandenen Wasserverbrauchsstellen erfassen, sofern ihnen Wasser über Zuleitungen zugeführt wird, welches in Ableitungen anschließend von dort wieder weggeführt wird.

Deshalb sind dem Gericht zufolge auch alle Außenwände mitversichert, „welche den Austritt des Wassers während des Reinigungsvorgangs verhindern, ganz gleich, ob sie den Ein- oder Ausstieg ermöglichen oder aber, wie hier, den Anschluss zum Gebäude herstellen und nach dort die Dusche über einen Fliesenspiegel abgrenzen.“

Kein grob fahrlässiges Verhalten

Ein bestimmungswidriger Austritt von Leitungswasser und damit der Auslöser des Schadens habe über die unversiegelte Stelle stattgefunden. Hier waren aber in keiner Weise Umstände ersichtlich, die ein grob fahrlässiges Verhalten der Frau beweisen würden. Deshalb sei auch eine Reduzierung der Entschädigungsleistung („Quotelung“) ausgeschlossen.

Der Versicherer musste seiner Kundin deshalb die 7.500 Euro zuzüglich Zinsen erstatten. Zudem trug er die Kosten der Verfahren aus beiden Instanzen sowie außergerichtliche Rechtsanwaltskosten. Das Urteil ist rechtskräftig. Das Einlegen von Rechtsmitteln wurde nicht zugelassen.

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