Vergleichsportale: Oft illegale Versicherungsvermittlung

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Nicht untersucht: Zulassung als Versicherungsvermittler

Wilfried E. Simon, Vorstandsvorsitzender der IGVM – Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler, sieht solche Seiten im Trend, Versicherungsvermittlung zu betreiben, ohne dass der Betreiber dafür eine ordnungsgemäße Erlaubnis oder Registrierung besitzt. Das sei nicht nur unlauterer Wettbewerb, sondern ein gravierender Gesetzesverstoß.

Durch die IDD wurde die Erweiterung des Vermittlungsbegriffs gefordert und durch das IDD-Umsetzungsgesetz auch ab 23. Februar 2018 durchgesetzt, um den Verbraucherschutz zu stärken. „Demnach ist auch Versicherungsvermittler (nach Paragraf 59 Absatz 1, Satz 3 VVG), wer eine Vertriebstätigkeit im Sinne von Paragraf 1a Absatz 2 VVG ausführt, ohne dass die Voraussetzungen der Absätze 2 oder 3 vorliegen“, erklärt Simon.

Mit anderen Worten: Schon die Bereitstellung von Informationen zu Versicherungen auf einer Webseite sowie die Möglichkeit, mittelbar einen Versicherungsvertrag abschließen zu können (Paragraf 34d Absatz 1 Satz. 4 GewO), begründet den Vermittlerstatus und geht über die Tippgeberfunktion hinaus. Das gilt laut Simon auch für den Fall, dass der Nutzer zum Abschluss einer Versicherung auf eine andere Webseite weitergeleitet wird, deren Betreiber eine Zulassung besitzt – wie im Fall von Versicherungsvergleich.org.

IHK muss aktiv werden, sonst bleibt Maklern nur Selbsthilfe

Hier müssen die zuständigen Industrie- und Handelskammern aktiv werden, sonst bleibt Maklern nur die Selbsthilfe, fordert die IGVM von den Aufsichtsbehörden. Der Verband hat zwischenzeitlich mit Erfolg mehrere Webseitenbetreiber aufgefordert, sich entweder registrieren zu lassen und damit auch die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten oder die Webseite vom Netz zu nehmen. Einige Betreiber sind dem gefolgt, andere zieren sich noch. „Wir wünschen uns eine verstärkte Kontrolle durch die zuständigen Industrie- und Handelskammern als Aufsichtsbehörden“, sagt Simon.

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