Unfallschutz: Milchstau bei der „Cashcow“

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Kaum eine Versicherung ist für die Anbieter so lukrativ wie die Unfallversicherung. Doch der Vertragsbestand sinkt seit Jahren. Was muss sich ändern?

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Unfallversicherer müssen sich etwas einfallen lassen, um noch Milch von ihrer "Cashcow" zu bekommen. (Symbolbild) Shutterstock.com / Diego Cervo

Wer um sein körperliches Wohl besorgt ist, sollte seinen Chef möglichst nach Überstunden fragen: Statistisch gesehen ist der Arbeitsplatz nämlich der Ort mit den wenigsten Unfällen. Laut einer Auswertung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut ereigneten sich von den 9,75 Millionen Unfällen in Deutschland im Jahr 2015 gerade einmal knapp eine Million im Büro, in der Fabrik oder auf dem Hof.

Wesentlich gefährlicher entpuppten sich hingegen die Freizeit, in der knapp 40 Prozent aller Unfälle stattfanden, sowie der Hausbereich (30 Prozent).
Im Gegensatz zum Arbeitsplatz sind Unfälle, die zuhause bzw. in der Freizeit geschehen, jedoch nicht von der Gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt. Perfekte Voraussetzungen für den Vertrieb einer privaten Vorsorgelösung – sollte man meinen.

Komplexität hemmt Abschluss

Denn die private Unfallversicherung schwächelt. Laut Zahlen des GDV ging der Vertragsbestand in den vergangenen zehn Jahren um 3,4 Millionen auf 25,4 Millionen Verträge im Jahr 2017 zurück. Für die Versicherer ist diese Entwicklung besonders ärgerlich. Zwar ist das Beitragsvolumen mit knapp 6,5 Milliarden Euro im Jahr vergleichsweise gering, jedoch gilt die Unfallversicherung als höchstprofitabel. Mit einer Combined Ratio von ungefähr 80 Prozent bekommt die Unfallversicherung gerne den Spitznamen „Cashcow“ verpasst.

Wieso scheint diese aber derzeit leer gemolken? Für Dennis Wittkamp, Analyst bei der Kölner Ratingagentur Assekurata, gibt es gleich mehrere Gründe. So sei zuletzt von Verbraucherschützern immer häufiger der Nutzen von privaten Unfallversicherungen stärker hinterfragt worden. „Das ist ein Faktor, der auch bei den Kunden verfängt“, glaubt Wittkamp.

Zudem sei das Problem auch hausgemacht, indem die Versicherer ihre Produkte immer komplexer gestalten und mit Assistance-Angeboten immer neue Leistungen hinzugefügt hätten. War die Unfallversicherung damals ein „Mitnahmeprodukt“, das der Makler bzw. Vertreter dem Kunden schnell verkaufen konnte, würden viele Makler heute wegen der größeren Komplexität eher zurückschrecken. „Hinzu kommen noch rückläufige Vermittlerzahlen“, ergänzt Wittkamp.

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