Stiefkind Betriebsunterbrechungs-Versicherung

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Die Betriebsunterbrechungs-Versicherung wird bis heute nicht im VVG erwähnt. Der Markt hangelt sich im Versuchsverfahren durch Angebot und Nachfrage, Deckungsnoten und Schadenregulierung. Das Expertenwissen kann Gewerbemaklern Marktvorsprung geben.

Betriebsunterbrechung zu versichern ist Expertensache, sagt VEMA-Vertriebsexperte und Trainer Lothar Kraft. Bild: VEMA

Die Betriebsunterbrechungs-Versicherung (BUV) ist seit jeher das Stiefkind der Versicherungsbranche, sagte Lothar Kraft kürzlich bei seinem Vortrag auf den VEMA-Tagen. Der geprüfte Trainer und Coach ist Ansprechpartner für Partnermakler in Vertrieb und Weiterbildung bei der Maklergenossenschaft. Er erinnerte daran, dass zwar schon 1910 das alte VVG erlaubte, den über den Versicherungswert des Gebäudes hinaus entgehenden Gewinn einer Firma durch einen Schaden mitversichern zu können. Doch mehr ist bis heute von der Aufsichtsseite nicht passiert.

„Die BUV wird auch im neuen VVG nicht erwähnt“, kritisierte Kraft. Von der Branche werde sie im Alltag als eine Schadens- und Vollwertversicherung betrachtet. Damit gelten die einschlägigen Paragrafen 74 bis 99 VVG für die Schadenversicherung. „Bei genauer Betrachtung ist das eine falsche Einordnung, denn abgestellt wird ja auf einen Vermögensschaden (Ertragsausfall), der sich nicht nach Sachwerten berechnet“, so Kraft. In der Praxis unterscheide der Markt drei Varianten:

  • Klein-BU (KBU) mit Anhängsel zum Hauptvertrag mit identischer Versicherungssumme der Sachwertdeckung, meistens 1,0 Millionen Euro Zeichnungsgrenze und in der Regel mit 12 Monaten Haftzeit,
  • Mittlere BU (MBU) mit separater vereinfachter Summenbildung (Nettoumsatz abzüglich Wareneinsatz), Zeichnungsgrenze je nach Versicherer zwischen 5,0 und 10,0 Millionen Euro sowie Haftzeiten üblicherweise von 12 Monaten und länger,
  • Groß-BU (kurz: FBU) mit separater detaillierter Summenbildung, über 10,0 Millionen Euro Zeichnungssumme und der Chance auf Prämienrückgewähr.

Vermögensschaden, kein Sachschaden

Die Versicherer kamen im Laufe der Zeit schnell an die Grenzen dieser Einordnung. Die gängige Formel zur Schadenermittlung mit Versicherungssumme und Versicherungswert einer Sache ging ins Leere. „Wollte man etwa eine Unterversicherung feststellen, musste man sich etwas einfallen lassen“, blickte Kraft in seinem Vortrag zurück.

Dafür hat man den Bewertungszeitraum erfunden - berechnet ab dem Ende der Betriebsunterbrechung rückwärts für 12 oder 24 Monate. Das Ende des Schadens ist auch gleich das Ende des Bewertungszeitraums. Das passt an einigen Stellen aber nicht zusammen, etwa dann nicht, wenn der Schadenzeitraum nicht genau bei 12 oder 24 Monaten liegt. Zudem ist auch der in den Musterbedingungen zu findende Referenzzeitraum nicht definiert. „In der Praxis sind für die Groß-BU die Versicherungssumme oder korrekte Umsatzmeldungen das Prüfungsmaß“, hat Kraft nach intensiven Gesprächen mit Versicherern in Erfahrung gebracht.

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