Schwellenländer: Frauen als Wachstumstreiber?

Investmentfonds von Michael Fiedler

Bieten Schwellenländer noch attraktive Investmentmöglichkeiten? Welche Branchen und Entwicklungen den Markt treiben, und warum Frauen „disruptives Potenzial“ haben, erläutert Marie Cardoen, Leiterin des Privatkundengeschäfts in Deutschland und Österreich bei Goldman Sachs Asset Management, dazu im Kurzinterview.

Investment Schwellenland Branche Frauen Kredit

Marie Cardoen, Leiterin des Privatkundengeschäfts in Deutschland und Österreich bei Goldman Sachs Asset Management, schätzt die Investmentmöglichkeiten bei Schwellenländern ein. Bild: GSAM

procontra: Sind Schwellenländer heute immer noch attraktiv?

Marie Cardoen: Ja, absolut. Der MSCI Emerging Markets Index hat sich im Februar und März zwar etwas verlangsamt und nach einer Rallye von plus 10 Prozent im Januar eine Pause gemacht. Einige Länder blieben jedoch voll auf Kurs, was einmal mehr die Heterogenität der Anlageklasse zeigt. Insbesondere China hat seine starke Performance fortgesetzt und den Rest der Schwellenländer übertroffen. Der chinesische Markt profitierte von den Fortschritten bei den Handelsverhandlungen mit den USA, einer schneller als erwarteten geldpolitischen Entspannung und positiven Ertragsergebnissen gesamtwirtschaftlich.
Die unterschiedlichen Gewinnentwicklungen generell waren ein weiterer Hinweis für Investoren, nicht alle Schwellenländer als gleichwertig zu betrachten. Während die Märkte zusammengenommen seit Jahresbeginn einige Abwärtsbewegungen hinlegten, zeigten China, Brasilien und Indien weiterhin attraktive Wachstumspotenziale für das laufende Jahr 2019.

Welche Branchen lohnen

Auf Branchenebene entwickelten sich Gebrauchsgüter, Informationstechnologien sowie Roh- und Werkstoffe am besten, während Immobilien, Kommunikationsdienstleistungen und Verbrauchsgüter zurückblieben. Die Schwellenländer bieten also genau betrachtet durchaus Investmentchancen – insbesondere wenn man berücksichtigt, dass immer mehr Frauen am Wirtschaftsleben teilnehmen und finanzielle Unabhängigkeit gewinnen.

procontra: Inwiefern treiben Frauen das Wachstum in den Schwellenländern?

Cardoen: Aus unserer Sicht ist die Gleichbehandlung von Männern und Frauen nicht nur ein ethisches Thema, sondern auch eine logische Geschäftsstrategie, um nachhaltig Wachstum zu schaffen. Eine Studie von McKinsey zeigt, dass die Chancengleichstellung von Frauen weltweit 28 Billionen Dollar zum jährlichen BIP beitragen könnte – also nahezu so viel wie der gemeinsame wirtschaftliche Wert der USA und Chinas. Angesichts des niedrigen Ausgangsniveaus wären die Schwellenländer, insbesondere Indien, die lateinamerikanischen Länder sowie China, die größten Nutznießer dieser Entwicklung. Beispielsweise könnte eine Verbesserung der finanziellen Unabhängigkeit von Frauen ein wirksames Instrument sein, um das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern anzukurbeln.

Seite 1: Schwellenländer -Investment: Welche Branchen lohnen
Seite 2: Frauen stärker ins Finanz- und Wirtschaftsleben integrieren

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare