Riester-Rente: Kommt die neue Förderung in der bAV an?

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Auf einer bAV-Fachtagung vergangene Woche in Berlin wurden erste Erfahrungen zur Einbindung von Riester in die bAV publik. Dabei kristallisiert sich ein interessanter Fördermix innerhalb der Direktversicherung heraus.

Innerhalb der HDI-Direktversicherungen ist jetzt Förder-Hopping zwischen Entgeltumwandlung und bAV-Riester in einem Vertrag ohne Tarifwechsel möglich, sagt Michael Rosch. Bild: Pohl

„Es gibt viele Wünsche und Anregungen für Nachbesserungen am BRSG“, hatte Rechtsanwalt Marco Arteaga, Partner der Kanzlei DLA Piper, letzte Woche auf der 20. Handelsblatt-Jahrestagung „Betriebliche Altersversorgung“ betont (procontra berichtete). Er mahnte auch Vereinfachungen beim bAV-Riester an.

Bei Privat-Riester erfolge die Beitragszahlung heute, die endgültige Entscheidung über die Zulage komme aber erst im Folgejahr. Diese Verfahrensweise sei für bAV-Riester so nicht zu gebrauchen. „Eine Entscheidung wird vorher benötigt“, so Arteaga, denn „es muss zum Zeitpunkt der Entgeltumwandlung entschieden werden, ob diese aus dem Brutto- oder aus dem Nettoeinkommen erfolgen soll“.

Viele Nachteile bei bAV-Riester nun beseitigt

Grundsätzlich: Die Riester-Vorsorge hat es im Privatkundengeschäft bislang auf über 16,5 Millionen Verträge gebracht, doch in der bAV scheiterte das Modell. Das beginnt sich durch das BRSG zu ändern. Die wichtigsten Neuerungen, insbesondere für Geringverdiener:

  • Die Riester-Rente wird zwar weiter auf die staatliche Grundsicherung im Alter angerechnet, nun bleiben bis zu etwa 200 Euro pro Monat auf jeden Fall anrechnungsfrei.
  • Die frühere Doppelverbeitragung in der Ein- und Auszahlungsphase der Riester-bAV wurde abgeschafft. Das heißt: Für bAV-Riester entfällt seit 2018 bei der Auszahlung SV-Pflicht.
  • Zudem stieg für Riester-Renten 2018 in der Ansparphase die Grundzulage von 154 auf 175 Euro pro Jahr.
  • Geringverdiener (bis 2.200 Euro brutto) können seit 2019 verbindlich mit einem Arbeitgeber-Zuschuss rechnen.

Bei der betrieblichen Riester-Rente wird die Beitragszahlung weiterhin aus dem Nettolohn geleistet. Im Gegenzug ist die Rente später abgabenfrei – anders als bei der bAV nach Paragraf 3 Nr. 63 EStG, bei der die Beiträge aus dem Bruttolohn gezahlt werden.

Kombination beider Förderungen je nach Lebenslage

Dieses „Entweder-oder“ haben mehrere Versicherer nun geändert. „Wir bieten seit Anfang Februar 2019 das ‚Förder-Hopping‘ zwischen Entgeltumwandlung und bAV-Riester in einem Vertrag – ohne Tarifwechsel“, sagte Michael Rosch, Leiter Produktmanagement der HDI Lebensversicherung, auf der Tagung. Ein ähnliches Produkt bietet R+V, berichtete R+V-Vorstand Rüdiger Bach.

In seinem Vortrag nannte Rosch Details der neuen Lösung. „Es muss nur eine einzige Direktversicherung abgeschlossen werden“, so der Vorsorgeexperte. Arbeitnehmer sparen ihre Betriebsrente damit also je nach Lebens- und Finanzlage wechselweise aus zwei Töpfen an: entweder Entgeltumwandlung „aus dem Brutto" (nach Paragraf 3 Nr. 63 EStG) oder Riester-Rente (nach Paragraf 10 a EStG) aus dem Netto-Gehalt samt umfangreicher staatlicher Riester-Zulagen – oder beides gleichzeitig, indem der Beitrag aufgesplittet wird.

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