Provisionsdeckel: Gesetzentwurf ruft Protest hervor

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BFV-Koordinator hat Protestbrief für Makler vorbereitet

Da das Gesetz nicht der Abstimmung des Bundesrates bedarf, müssen Vermittlerverbände nun schleunigst politischen Gegendruck aufbauen. Der "versicherungstip", der die von Versicherern mit großem Makleranteil am Vertrieb organisierte Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV) koordiniert, reagierte prompt. Erwin Hausen, Chefredakteur von „versicherungstip“ und Koordinator der BFV, veröffentlichte bereits den Entwurf eines Protestbriefes, mit dem Versicherungsmakler an die Bundesregierung und Bundestagsabgeordnete schreiben sollen.

Motto: „Finger weg von der Deckelung meiner Abschlussvergütung und dem rückwirkenden Eingriff in Bestandsverträge“ Makler können sich den Protestbrief aus dem Internet herunterladen und mit eigener Kommentierung versehen. „Qualifizierte Beratung muss angemessen vergütet werden“, stellt Hausen klar. Bezogen auf private Altersvorsorge-Verträge gegen laufenden Beitrag sei die Vergütung von 2013 bis 2017 um deutlich über 10 Prozent gesenkt worden.

Dagegen stiegen die Gehälter der Versicherungs-Angestellten zwischen 2014 und Ende 2018 um insgesamt 10,84 Prozent. „Während Beschäftigte in zahlreichen Branchen und im öffentlichen Dienst durch von Gewerkschaften ausgehandelte tarifliche Lohnerhöhungen für die gleiche Arbeitszeit höhere Löhne erhalten, erhalten Versicherungsvermittler durch das LVRG für die gleiche Beratungs- und Vermittlungsleistung weniger Vergütung, die jetzt auch noch gedeckelt werden soll“, kritisiert Hausen.

Bayerische: Bürokratiemonster beschneidet Verbraucherschutz

Auch die „Maklerversicherer“ reagieren empört. „Hier wird ein Bürokratie-Monster geboren, das nur Schaden anrichtet und auf Kosten der mittelständisch geprägten Versicherungswirtschaft geht“, kritisiert Martin Gräfer, Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische. Es sei atemberaubend, wie selbstverständlich die verfassungsrechtlich garantierte Gewerbefreiheit ignoriert wird und sich Politiker über die offenkundige Rechtslage hinwegsetzen.

„Zum andern macht es sprachlos, wie selbstverständlich das Finanzministerium mit einem Federstrich das Einkommen ganzer Berufsgruppen beschneiden und Versicherungsvermittler damit ins berufliche Abseits schieben“, so Gräfer weiter. Schlimmer noch: Ihnen werde unterstellt, sie machten ihren Job nicht richtig und müssten dafür kollektiv bestraft werden. „Da ist viel Ideologie im Spiel, aber wenig Sachverstand“, sagt Gräfer.

Canada Life: Keine Provisionsexzesse bekannt

„Für das über Versicherungsmakler an uns vermittelte Geschäft erkennen wir keinerlei Fehlanreize oder gar exzessiv hohe Vergütungen“ bestreitet Markus Drews, Hauptbevollmächtigter der Canada Life Deutschland, für sein Unternehmen den Sinn eines weiteren Provisionsdeckels. „Zudem berücksichtigt der Referentenentwurf nicht die Mehrleistungen der Versicherungsmakler für ihre Kunden“, so Drews weiter. Makler agierten als Einkäufer ihrer Kunden, nicht als Verkäufer der Versicherungsgesellschaft. „Sie führen als einzige eine umfassende Marktuntersuchung für ihre Kunden durch und haften eigenständig“, ergänzt der Fachmann.

Geschädigt würden einseitig nur Maklerbetriebe, die außer der Provision keine anderen Einnahmen oder finanzielle Unterstützungen bekommen. „Im Gegensatz zu Ausschließlichkeitsvertretern, die Zuschüsse für Büromiete, Gehälter für Bürokräfte, Kostenzuschüsse für Technik und Ausstattung, Werbung erhalten“, kritisiert Drews. Das würde unterm Strich nur dazu führen, dass Makler künftig nicht mehr genug Zeit hätten, „um auch Kunden mit geringen Anlagebeträgen gründlich beraten zu können“. Die Politik beschneide damit den Verbraucherschutz, den sie mit dem Gesetz eigentlich stärken wolle.

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