Mieten: Drei Fakten, die für Entspannung sprechen

Sachwerte von Michael Fiedler

Immobilien: Könnte der „Mietwahnsinn“ in deutschen Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg bald ein Ende haben? Eine Studie will drei Fakten ausgemacht haben, die für eine Mäßigung des Mietanstiegs sprechen.

Miete Immobilie Eigentum Berlin

2018: Unter dem Hashtag #Mietwahnsinn protestierten 25.000 Menschen in Berlin. Das könnte sich am Wochenende wiederholen. picture alliance/ZUMA Press

Vor einem Jahr demonstrierten in Berlin 25.000 Menschen gegen zu hohe Mieten und Verdrängung. Für den 6. April dieses Jahres ist eine erneute Demonstration in Berlin gegen den „Mietwahnsinn“ angemeldet. Dort wird auch ein Aufruf zur Enteignung der Deutsche Wohnen unterschriftsreif bereitliegen. Eine Bürgerinitiative will sich dafür stark machen, den Immobilienkonzern zu enteignen. Deutsche Wohnen stünde exemplarisch für Mietpreissteigerungen um jeden Preis, argumentieren die Initiatoren der Proteste.

Der Konzern, dessen Aktien sich auch im Streubesitz von Versicherern befinden, besitzt etwa 116.000 Wohnungen im Großraum Berlin und konnte den Unternehmensgewinn 2018 um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Auf unglaubliche 1,9 Milliarden Euro – Gewinn wohlgemerkt.

Immobilienpreise ziehen an

Doch nicht nur die Mieten zogen 2018 an. Auch Käufer mussten in der Hauptstadt tiefer in die Tasche greifen. Pro Quadratmeter mussten Immobilienkäufer 4.166 Euro im Durchschnitt zahlen. Damit verzeichnete Berlin 2018 den höchsten Kaufpreisanstieg unter deutschen Metropolen (+11,41 Prozent).

Mäßigung des Mietanstiegs: Drei Fakten sprechen dafür

In diese Gemengelage platzt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts empirica. Deren Kernaussage: „Das Ende des Mietwahnsinns ist absehbar“.
So hätte sich die Bedarfslücke in den besonders hart von Mietsteigerungen betroffenen Städten am meisten reduziert. Der nicht gebaute jährliche Zusatzbedarf in den Wachstumsregionen schrumpfte von 125 Tsd. auf 25 Tsd. Einheiten um 80 Prozent und in den begehrten Top 7-Städten sogar von 51 Tsd. auf 7 Tsd. Wohnungen um über 85 Prozent. Sobald auch die verbleibende Fertigstellungs-Lücke geschlossen sein wird, dürfte der Mietanstieg in den betroffenen Städten und Regionen zum Erliegen kommen, mutmaßt empirica.

  1. Die Baugenehmigungen haben ein Rekordhoch erreicht, das weit über den aktuellen Fertigstellungen liegt und in naher Zukunft weitgehend realisiert werden dürfte; das Zusatz-Angebot wird also weiter steigen, die Lücke schrumpfen.
  2. Die Nachfrage wächst in den Schwarmstädten mittlerweile mit geringerem Tempo. Es wandern zwar weiterhin Menschen dorthin, aber per saldo weit weniger als noch vor einigen Jahren. Mittlerweile flüchten Familien sowie Geringverdiener ins Umland und weichen andere in neue Schwarmstädte der zweiten Reihe aus; die Zusatz-Nachfrage ist also rückläufig.
  3. Last but not least dürfte die drohende Konjunktureintrübung den Deutschen die Wanderlust bald weiter verderben. Das hohe Wanderungsvolumen der vergangenen Jahre war eben auch ganz entscheidend befördert durch das lange und sehr kräftige Wirtschaftswachstum der vergangenen Dekade.
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