Lebensversicherer: Kapitalanlage in Lokomotiven

Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Der Versicherer beteiligte sich im Herbst 2017 an der Railpool GmbH, einem Münchener Unternehmen, das Elektro-Loks vermietet (Leasing) und auch den vollen Service bietet (Wartung, Versicherung, Dokumentation). „Wir sind ‚indirekter‘ Erwerber eines Portfolios aus 202 Lokomotiven geworden“, berichtet Hoffmann. Die Firma hat 38 Kunden in 16 Ländern und sei damit marktführend in einem Oligopol mit hohen Eintrittsbarrieren (aufwendige Zulassung in verschiedenen Ländern; hohe Anfangsinvestitionen).

Den Deal hatte der Asset-Manager Palladio Partners angebahnt. „Signifikante Anteile“ an Railpool würden durch die Luxemburger Infrastruktur und Erneuerbare Energien Gesellschaft des Volkswohl Bund gehalten. „Wichtig ist, Anlagen mit dem richtigen Risiko-Rendite-Profil für unsere Lebensversicherungskunden zu finden“, so der Vorstand. In den nächsten Jahren rechnet er damit, dass der Dortmunder Versicherer weitere Projekte im Bereich Infrastruktur erschließen könnte, insbesondere durch die IDI, wo sich der Volkswohl Bund im Beirat einbringt.

„Es gibt Nachholbedarf auch in anderen Infrastrukturbereichen“, sagte Michael Rieder, Geschäftsführer der Investmentboutique Palladio. Als Beispiel nannte er das Glasfasernetz, wo Deutschland mit einem Anteil von nur 2,4 Prozent von Festnetzbreitbandanschlüssen in Europa weit hinten liege. Nun versuchten lokal versierte Anbieter wie die Stadtwerke und vertriebsstarke Mittelständler, in den von der Deutschen Telekom verstopften Markt zu drängen, hat Rieder beobachtet. Beiden fehle aber das Kapital. Palladio sucht als Berater nach Wegen, institutionelle Investoren für Abschlüsse in der Netz-Infrastruktur zu gewinnen.

Ärzteversorgung an Stromtrassen-Betreiber beteiligt

Dies hat die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (AVWL) schon auf anderem Gebiet erreicht. Die Körperschaft öffentlichen Rechts habe 14 Milliarden Euro Kapitalanlagen unter Vertrag und müsse nach wie vor 4,0 Prozent Rechnungszins für die Altersversorgung von mehr als 60.000 Ärzten und deren Familien bedienen. Schon seit 2006 habe man sich sukzessive von klassischen Anlagen, wie zum Beispiel Pfandbriefanleihen, verabschiedet und investiere inzwischen „rund 20 Prozent in Alternatives“, sagte Markus Altenhoff, Geschäftsführer Kapitalanlage. Ein Investment sei die Beteiligung an der Amprion GmbH, die mit 11.000 Kilometern Höchstspannungsleitungen eines der längsten Übertragungsnetze für Strom in Deutschland betreibt.

Man sei an dem Joint Venture von RWE (25,1 Prozent) und Finanzinvestoren (74,9 Prozent) mit einem dreistelligen Millionenbetrag investiert, bei dem auch weitere Versicherer und Pensionskassen dabei sind. Das Projekt sei bereits seit Ende 2011 operativ tätig. Laut Altenhoff ist die ÄVWL über eine Verbriefungsgesellschaft investiert.

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