Immobilien: Schwarzgeld-Paradies Deutschland

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Kriminelle kaufen in Deutschland Immobilien und waschen so ihre Gewinne aus dubiosen und kriminellen Geschäften. Makler sind per Gesetz dazu verpflichtet, den Behörden verdächtige Transaktionen zu melden. Das ist aber gar nicht so einfach.

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„Der Makler kann nicht kontrollieren, wie der Kunde zahlt und finanziert“, sagt Rudolf Koch vom Immobilienverband Deutschland. Bild: IVD

Drei Jahre lang hatten Ermittler des Bundeskriminalamts gemeinsam mit der lettischen Polizei Beweise zusammengetragen. Im Februar schlugen sie schließlich zu: In Nürnberg, Regensburg, Schwalbach am Taunus und Mühldorf am Inn beschlagnahmten die Beamten bei einer Razzia vier Immobilien im Wert von insgesamt rund 40 Mio. Euro. Zugleich ließen sie bei einer lettischen Bank ein Konto sperren, auf das der Erlös aus dem Verkauf einer weiteren Immobilie aus Chemnitz geflossen sein soll. Außerdem sicherten die Ermittler rund 6,7 Mio. Euro bei zwei deutschen Immobiliengesellschaften. Der Verdacht: Die Immobilien sollen allesamt mit schmutzigem Geld aus Russland erworben worden sein, das auf verschlungenen Pfaden seinen Weg in die bayerische Provinz gefunden haben soll.

Nur die Spitze des Eisbergs

Der Fall klingt nach einem spektakulären Erfolg im Kampf gegen Geldwäsche. Fachleute wie Edda Müller sehen darin aber nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um deutsche Immobilien geht. Müller ist Honorarprofessorin an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer und forscht seit vielen Jahren zu Korruption und Geldwäsche. Seit 2010 ist sie Vorsitzende von Transparency International. Die Anti-Korruptions-Organisation hat im Dezember vergangenen Jahres eine Studie veröffentlicht, die zeigt: 15 bis 30 Prozent aller kriminellen Vermögenswerte hierzulande sollen in Immobilien investiert sein. Die deutsche Immobilienbranche sei ein Tummelplatz für „Schwerkriminelle und Korrupte“, die ihr Geld in Deutschland waschen wollen, heißt es in dem Bericht.

Deutschland ist Schwarzgeld-Paradies

Die Bundesrepublik ist eine der attraktivsten Oasen der Welt, wenn es um Schwarzgeld geht. Finanzforscher sprechen von einem „Hochrisikosektor“ für internationale Geldwäsche. Investitionen in deutsche Gebäude gelten als extrem sicher, weil die deutsche Volkswirtschaft nach wie vor floriert. Zudem setzt der Markt gigantische Summen um. Das erleichtert es Kriminellen, Transaktionen zu verschleiern. Transparency International schätzt, dass im Jahr 2017 etwa 30 Mrd. Euro an schmutzigem Geld in den deutschen Immobiliensektor geflossen sind – das entspricht gut zwölf Prozent des jährlichen Transaktionsvolumens. Die Chance, aufzufliegen, ist dabei äußerst gering. Erfolge wie der Fall in Bayern sind die Ausnahme – meist bleiben die illegalen Transaktionen im Verborgenen. Frag man Transparency-Expertin Müller, liegt das auch an der Politik. „Die geltenden Gesetze und die Ausstattung der Ermittlungsbehörden reichen nicht aus“, kritisiert sie.

Immobilienmakler, Notare und Rechtsanwälte sieht Müller in einer besonderen Verantwortung. Die Transparency-Daten zeigen, dass diese Berufsgruppen praktisch keine Verdachtsfälle melden und damit kaum zur Geldwäschebekämpfung beitragen. Von rund 60.000 Verdachtsmeldungen im Jahr 2017 stammten gerade mal 21 von Immobilienmaklern, 23 von Rechtsanwälten sowie 5 von Notaren. Ältere Studien wie die des Kriminologen Kai Bussmann von der Universität Halle kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

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