Gesetzliche Rentenversicherung: Belastungsgrenze erreicht

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„Die gesetzliche Rentenversicherung ist an ihrer Belastungsgrenze angekommen“, so die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) und warnt vor weiteren Steuerzuschüssen. Doch nicht nur die Politik sehen die Aktuare gefordert.

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Ist an der Belastungsgrenze angekommen: Die Deutsche Rentenversicherung. Bild: nitpicker / shutterstock.com

Roland Weber scheidet am heutigen Donnerstag aus dem Amt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) aus. Das Ende seiner Amtszeit beschließt Weber mit einem eindringlichen Appell an die Politik. Die dauerhafte Stabilität der umlagefinanzierten Rente solle in den Mittelpunkt der Rentenpolitik gestellt und ihr Versicherungscharakter erhalten werden. „Hierzu gehört vor allem, die Finanzierung der gesetzlichen Rente zu stabilisieren und das darf nicht nur über noch höhere Steuerzuschüsse geschehen, die bereits heute rund ein Viertel der Einnahmen der Rentenversicherung ausmachen“, so der DAV-Vorstandsvorsitzende. Vielmehr müssten alle Stellschrauben nachjustiert und analysiert werden, wozu neben dem Beitragssatz, dem Rentenniveau oder dem Renteneintrittsalter auch die Anzahl von erwerbsfähigen Zuwanderern und das Lohnwachstum gehörten.

Transparenz über Rentenlücke nötig

Doch nicht nur die Politik sieht Weber in der Pflicht. In Anbetracht der größer werdenden Rentenlücke bestehe für jeden Einzelnen die Notwendigkeit, zusätzlich für den Lebensabend vorzusorgen, um den Lebensstandard zu halten. „Viele unterschätzen nicht nur ihre eigene Lebenserwartung, sondern überschätzen auch, wie lange ihre Ersparnisse reichen“, erläutert Weber. So zeigen Berechnungen, dass selbst bei zwei Prozent Jahreszins ein Kapitalstock von 100.000 Euro bereits nach neun Jahren und einem Monat komplett verbraucht ist, wenn daraus eine monatliche Rente von 1.000 Euro entnommen wird.
„Die Zahlen belegen, die Menschen brauchen Transparenz, um qualifizierte Entscheidungen für die Altersvorsorge treffen zu können“, so Weber weiter. Von daher unterstützt die DAV auch den Vorstoß der Bundesregierung zur Einführung einer säulenübergreifenden Renteninformation.

Altersvorsorge: Flexible Garantien?

Vor welcher Herausforderung sowohl Produktgeber als auch Vermittler stehen, ist Weber durchaus bewusst: „Absolute Zinsgarantien werden im Niedrigzinsumfeld immer schwieriger umsetzbar. Deshalb haben sich die Aktuare bereits vor Jahren für die Einführung flexibler Produkte eingesetzt“, erläutert Weber. Diese beinhalteten neben Garantiekomponenten auch chancenorientierte Bestandteile, die auf der einen Seite höhere Renditen ermöglichten, auf der anderen Seite aber auch risikobehafteter seien. „Letztlich muss jeder Bürger für sich selbst entscheiden, in welche Richtung das persönliche Anlagependel zwischen kompletter Sicherheit und hoher Renditechance ausschlägt“, skizziert Weber die Herausforderung.

Tatsächlich haben viele Versicherer ihre Produktpaletten angepasst und bieten sowohl Fonds- als auch Garantierenten. Wie man mit solchen Produkten neue Kundenkreise erschließt und welche Vorteile sie gegenüber Sparplänen bieten, erläutern Thomas Buchholz und Markus Gedigk am 30. April auf profino. Beide sind Organisationsleiter bei LV 1871, die mit MeinPlan (fondsgebunden) und StartKlar (Garantierente) zwei neue Produkte für die Altersvorsorge platziert hat.

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