DVAG: „Mehr Geld als Verstand“

Panorama von Michael Fiedler

Zwei ehemalige DVAG-Mitarbeiter packen im Spiegel über ihren alten Arbeitgeber aus. Wie eine Sekte sei die Vertriebsorganisation aufgebaut. Doch statt überraschenden Erkenntnissen bleibt nach Lektüre der „Enthüllungs-Story“ vor allem ein Eindruck hängen.

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Zählt bei DVAG nur der Profit? DVAG-Aussteiger berichten in einem Spiegel-Beitrag davon. Bild: Shutterstock.com / nuvolanevicata

„Exklusiv für Abonnenten“ wollte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ die Zustände bei der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) beleuchten. Als „Kronzeugen“ dienten zwei ehemalige Mitarbeiter, die zu berichten wussten, dass es dort zuginge „wie in einer Sekte“. Im Titel des Beitrags war gar von „Gehirnwäsche“ die Rede.

Auch von großem Druck berichten die „Aussteiger“, der so groß sei, dass sich viele Vermögensberater in Alkohol und Drogen flüchten würden.
Dabei hatte doch alles so gut angefangen – zumindest für den Aussteiger Ralf Scheffner. Bei seiner ersten Anwerberveranstaltung sei er Menschen begegnet, die mehr Geld als Verstand hatten – so jedenfalls sein Eindruck damals.

Klar wollten Scheffner und Thorsten Brandt, der zweite Aussteiger, anfangs dazugehören. Der Spiegel beschreibt den Werdegang der Beiden und beschreibt die Situation der Handelsvertreter. So würden in der Pyramidenstruktur vor allem jene profitieren, die an der Spitze stehen. Neueinsteiger wie Brandt und Scheffner würden angeregt, Freunden und Familie die DVAG-Produkte anzutragen, die nicht alle schlecht seien, so der Spiegel: „[...] manchmal passen sie auch zur Lebenssituation des Kunden.“

Kreuzfahrten erhöhen die Abhängigkeit

Nachteil dieser Strategie: Freunde und Familie distanzierten sich. Als DVAG-Mitarbeiter merkt man das aber nicht so. Denn man habe ja nun eine „neue Familie und Freunde“, so die Aussteiger. Die DVAG würde die Mitarbeiter mit Incentives „ruhigstellen“ – etwa Kreuzfahrten auf der AIDA. Doch solche Kreuzfahrten würden die „psychische Abhängigkeit erhöhen“, schätzten die Aussteiger nun ein.

Scheffner und Brandt haben wohl einige solcher Kreuzfahrten erlebt – schließlich blieben beide über 15 Jahre bei dem Vertrieb.

Insgesamt kann der Spiegel also nicht viel neues berichten. Es bleibt der Eindruck zurück, dass in dieser Geschichte lediglich zwei unzufriedene Mitarbeiter ihre „Schmutzwäsche“ waschen konnten.

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