Cannabis-Konsum: Arbeitsunfall nicht ausgeschlossen?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Auf dem Arbeitsweg hatte ein E-Bike-Fahrer einem Pkw die Vorfahrt genommen – mit gesundheitlichen Folgen. Dabei hatte der Radler THC im Blut. Ob die Berufsgenossenschaft trotzdem zahlen musste, entschied das Osnabrücker Sozialgericht.

Am Vorabend ein Joint und die gesetzliche Unfallversicherung ist dein Freund?

Am Vorabend ein Joint und die gesetzliche Unfallversicherung ist dein Freund? Bild: guruXOX

Ein Mann (Geburtsjahrgang 1981) wollte nach einem Verkehrsunfall auf seinem Weg zur Arbeit Leistungen von der Berufsgenossenschaft erhalten. Im Mai 2017 war er auf direktem Weg von seiner Wohnung zu seiner Arbeitsstelle unterwegs. Dafür nutzte er ein E-Bike. An einer Kreuzung übersah er einen von rechts kommenden Pkw, es kam zur Kollision. Dabei schlug der Mann auf die Windschutzscheibe des Fahrzeugs auf.

Im Zuge des Ermittlungsverfahrens bestätigte der E-Bike-Fahrer, dass er zwischen 20 und 22 Uhr des Vorabends eine Cannabis-Zigarette geraucht hatte. Er erklärte aber auch, dass er regelmäßig Cannabis konsumieren würde und aufgrund seiner körperlichen Toleranz die Wirkung nur wenige Stunden anhalten würde. Bei dem Unfall habe er nicht mehr unter dem Einfluss der Droge gestanden, sondern das von rechts kommende Auto schlicht übersehen.

Das wollte die Berufsgenossenschaft aber nicht anerkennen. Allein aufgrund des nachgewiesenen THC-Werts von 10 ng/ml im Blut des Mannes sei von einem drogenbedingten Fehlverhalten auszugehen. Sie verweigerte deswegen die Leistung woraufhin der Mann Klage einreichte.

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