Besserverdiener-Check: PKV statt freiwillige GKV

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Absturz nach 78 Wochen Krankheit gerade für Besserverdiener

Bereits in jüngeren Jahren tragen freiwillig GKV-Versicherte das Risiko, ohne privaten Schutz bei längerer Krankheit/Arbeitsunfähigkeit massiv draufzuzahlen. Dietrich macht dies für einen Single (39) in Steuerklasse 3, keine Kinder, deutlich, der über der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 60.750 Euro (= 3.176,40 Euro pro Monat) verdient.

Ab 7. Krankheitswoche, also nach Ende der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, bekäme er von der GKV 105,88 Krankengeld pro Tag (Quelle: TK KTG Rechner). Das sind fast 234 Euro (- 7,36 Prozent) Verlust gegenüber dem Einkommen in gesunden Tagen. Bei 80.000 Jahresbrutto wären es schon 996 Euro (- 22,6 Prozent), bei 120.000 Euro Jahresbrutto gar 3.029 Euro (- 47 Prozent). „Je mehr er über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient, desto größer die Einkommensdifferenz bei Krankheit, die nur auf Basis einer privaten Tagegeld-Versicherung ausgeglichen werden kann."

Doch bei langwieriger Erkrankung kommt es noch schlimmer: Während privat vereinbarter Verdienstausfall (Tagegeld) nur bei Pflegebedürftigkeit oder auch Berufsunfähigkeit endet, versiegt das Tagegeld der GKV spätestens nach 78 Wochen. Dann folgt auf Antrag die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, die im Schnitt 2017 pro Neurentner lediglich 716 Euro einbringt. „Der Sozialfall ist ohne private Absicherung gerade auch für Besserverdiener programmiert“, sagt Dietrich.

Leistungsschwund bei der GKV

Ein drittes Risiko für freiwillig GKV-Versicherte: „Immer mehr Leistungen verschwinden aus dem gesetzlichen Leistungskatalog und werden damit im Leistungsfall privat zu finanzieren sein“, sagt Dietrich. Er verweist auf ein Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg von 2010 (Az.: L 5 KR 2035/09), das es für richtig hielt, dass die GKV die Krebsbehandlung in einer Privatklinik nicht übernimmt, wenn die Leistung nicht im Leistungskatalog steht. Die Patientin vertrug jedoch die einzig von der GKV vorgesehene Leistung nicht (Chemotherapie zur Behandlung des Mammakarzinoms). Sie musste die lebensnotwendige Behandlung selbst finanzieren. „Das ist bei freiwillig Versicherten nicht anders“, so Dietrich.

Diese drei Gründe könnten eine Überlegung für die PKV wert sein, „wenn man auch dort genau hinschaut“, meint Dietrich. Zumindest sei in der PKV nicht mit Leistungseinbußen oder -kürzungen zu rechnen. Das hat Dietrich jedenfalls noch nie erlebt. Eine aktuelle Studie „Krankenversicherung – Gesundheitspolitik“ des Analysehauses PremiumCircle Deutschland hatte zur Aufgabe, Mindestkriterien in Anlehnung an die GKV zu definieren und das Ergebnis dem bisherigen Leistungsniveau der PKV-Branche gegenüberzustellen. „Diese Benchmark erfüllten allenfalls fünf PKV-Gesellschaften in akzeptablen Maß“, meint Dietrich in seinem Blog. Aus Sicht eines Qualitätsvermittlers kämen da im Prinzip nur Barmenia, SDK, Hallesche und Deutscher Ring in Betracht, so Dietrich auf Nachfrage.

Spannender Systemvergleich von PremiumCircle

In der Studie wird zusätzlich darauf hingewiesen, dass die PKV 153 derzeit „Mehrleistungen“ gegenüber der GKV hat. Addiert kämen die Spitzenreiter der PKV auf fast 208 garantierte und auch noch in zehn und mehr Jahren vorhandene Leistungen. Das gesetzliche System hat zum Zeitpunkt der Erstellung der Studie 100 Leistungskriterien.

„Ob das in zwei Jahren in der GKV auch noch so viele sind, ist mehr als fraglich“, so Dietrich. Natürlich seien die Systeme nur „von ungefähr“ miteinander vergleichbar. „Aber wer sein Leben plant, kommt eigentlich an der PKV nicht vorbei“, so das Fazit des Maklers. Allerdings seien aus seiner Sicht eben nur rund zehn Prozent der angebotenen PKV-Tarife einen Wechsel zu den Privaten wert. Die Angst vor grundsätzlich unbezahlbaren PKV-Beiträgen im Alter hält Dietrich für unbegründet. Er selbst zahle 300 Euro netto  Monatsbeitrag - im 55. Lebensjahr.

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