Besserverdiener-Check: PKV statt freiwillige GKV

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Viele bleiben lieber freiwillig in der GKV, statt in die PKV zu wechseln. Das hält ein Spezialmakler für einen fatalen Fehler, da tendenzielle Leistungskürzungen ebenso ausgeblendet werden wie die Folgen längerer Krankheit und höhere Beiträge im Alter.

Freiwillig GKV-versicherte Angestellte tragen neben hohen Beiträgen auch finanzielle Risiken bei längerer Krankheit, im Alter und bei der Beanspruchung von Leistungen, sagt Makler Frank Dietrich. Bild: Dietrich

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann sich freuen: Erneut wechseln wieder mehr Selbstständige in die freiwillige Krankenversicherung und entscheiden sich damit gegen die Option der privaten Krankenversicherung (PKV), jubelt die DGB-Zeitschrift „Soziale Sicherheit“. Dank Absenkung der Mindestbeiträge für freiwillig GKV-versicherte Selbstständige von 360 auf 156 Euro pro Monat dürfte der Zulauf 2019 weiter anhalten – zulasten der PKV. Auch Besserverdiener unter den Angestellten wechselten trotz Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Zeitschrift zufolge verstärkt wieder in die freiwillige GKV zurück, berichtet Cash-online unter Bezug auf die DGB-Auswertung.

Offenbar treibt sie die Sorge um Beitragssteigerungen im Alter um. „Das freut vielleicht die gesetzlichen Krankenkassen, aber wahrscheinlich nicht die Versicherten selbst“, meint Frank Dietrich, Inhaber der F.D. Fachmakler GmbH in Potsdam, die sich auf PKV, BU- und Pflegekostenzusatz-Versicherungen spezialisiert hat. „Viele freiwillig Versicherte kennen ihre Risiken bei Krankheit/Arbeitsunfähigkeit und als Rentner offenbar nicht“, meint Dietrich. Der Glaube, im gesetzlichen System zu verbleiben, schütze später im Rentenalter vor hohen Beiträgen, sei oft ein Irrglaube.

Stetig steigende GKV-Beiträge

„Es ist eine Tatsache, dass das gesetzliche System in den letzten fast 20 Jahren höhere Anpassungen allein vom Zahlbeitrag vorgenommen hat als das private System“, sagt Dietrich. Lag der Monatsbeitrag in den siebziger Jahren bei 50 Euro, so betrage er heute in der Spitze fast 850 Euro. Belegt sei, dass die so genannte Hochleistungstarife der PKV (also keine Einsteigertarife oder Billigangebote) in den letzten Jahren ihre Beiträge zum Teil sogar gesenkt haben, etwa im Tarif NK der Hallesche Krankenversicherung. „Bedenkt man, dass zu den gestiegenen Beiträgen der GKV noch die die Zuzahlungen ständig gestiegen sind, ist die GKV in Sachen Beitragsanpassung der PKV um Längen voraus“, urteilt Dietrich.

Das könne im Rentenalter bitter aufstoßen. Die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) sorgt für die Gruppe der pflichtversicherten Rentner im Alter dafür, dass nur noch der halbe Beitragssatz zu zahlen ist. Voraussetzung: Man war in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 Prozent gesetzlich krankenversichert.

Für wen das nicht zutrifft, der unterliegt als freiwillig gesetzlich Krankenversicherter einer teureren Beitragsbemessung. Aktuell gilt: Auf gesetzliche Rente sind wie in der KVdR 7,3 Prozent fällig, hinzu kommt die Hälfte des Zusatzbeitrages. Freiwillig versicherte Rentner müssen dazu noch den ermäßigten Beitragssatz von 14,0 Prozent abführen auf Einnahmen aus Miete, Pacht und Kapitalvermögen sowie auf private Lebens- und Rentenversicherungen. „Da ist es nur ein kleiner Schritt für Vorsorgebewusste, dass sich der GKV-Monatsbeitrag in Richtung 1.000 Euro bewegt“, weiß Dietrich.

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