Was ein Unfallopfer vom gegnerischen Kfz-Versicherer erwarten darf

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Im vorliegenden Fall wollte sich ein Kfz-Versicherer die Schadenregulierung besonders leicht machen: Er leugnete einfach den Unfall und zahlte deshalb nicht. Ein Vorgehen, dessen Rechtmäßigkeit erst vor dem Wolfsburger Amtsgericht diskutiert werden musste.

Das gibt es auch nicht oft: Der Kfz-Versicherer des Unfallverursachers leugnet einfach den Unfall und verweigert die Schadenregulierung.

Das gibt es auch nicht oft: Der Kfz-Versicherer des Unfallverursachers leugnet einfach den Unfall und verweigert die Schadenregulierung. Bild: Pixabay

Ein Mann war mit seinem Auto auf der linken Spur einer zweispurigen Linksabbiegerstraße unterwegs gewesen. Auf der rechten Spur fuhr parallel eine Frau in einem Mietwagen. Beim Abbiegevorgang geriet die Frau mit ihrem Fahrzeug auf die Spur des Mannes und stieß mit diesem zusammen. Dessen Wagen trug einen Schaden davon, den der Mann vom Kfz-Versicherer des Mietwagens ersetzt haben wollte. Als dieser nach mehrfacher Aufforderung die Zahlung ablehnte, ging das Unfallopfer vor Gericht.

Vor dem zuständigen Amtsgericht Wolfsburg behaupteten die Vertreter des Kfz-Versicherers, dass der beschriebene Verkehrsunfall gar nicht stattgefunden haben soll. Zwar wurde nicht bestritten, dass der Mietwagen an der linken Seite einen Streifschaden aufwies. Dessen Ursprung sei dem Versicherer jedoch unbekannt.

Nur Bestreiten ist zu wenig

Das Gericht wollte dieser Ansicht nicht folgen. Vielmehr erkannte es, dass der Kfz-Versicherer seiner subjektiven Darlegungslast nicht ausreichend nachgekommen sei. Konkret bedeutet das, dass der Versicherer zu dem Vorgehen die Frau als Fahrerin des Mietwagens hätte befragen müssen. Dies hatte der Versicherer nicht getan, da von der Frau nur eine Hoteladresse, aber nicht ihre Wohnadresse vorhanden war. Diese hätte er aber bei seinem Versicherungsnehmer, dem Vermieter des Wagens, erfragen können. Ein solches Vorgehen wäre dem Kfz-Versicherer zumutbar gewesen, entscheid das Gericht.

Darüber hinaus hatte der Kläger ein Sachverständigengutachten anfertigen lassen, dass den Schaden an seinem Auto auf 1.253,75 Euro bezifferte. Das Gutachten sei weniger als eine Woche nach dem Unfall angefertigt worden und würde die Aussagen des Mannes unterstützen. Demgegenüber stand als Argumentation des Versicherers lediglich ein Bestreiten des Unfalls, was in diesem Fall einfach nicht genügt, so das Gericht.

Es verurteilte (Az.: 10 C 370/16) den Kfz-Versicherer zur Übernahme des Schadens sowie der Kosten für das Gutachten (561,92 Euro) und der vorgerichtlichen Anwaltskosten des Klägers in Höhe von 255,85 Euro nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz für einen Zeitraum von etwa 14 Monaten. Darüber hinaus trägt er die Kosten des Rechtsstreits.

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