Was das neue BU-Unternehmensrating zeigt und was nicht

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Die Ratingagentur Franke und Bornberg legte ihr jährliches BU-Unternehmensrating vor. Warum das Ergebnis aus Maklersicht womöglich enttäuscht und warum die Untersuchung trotzdem unentbehrlich für die Entwicklung des BU-Marktes in Deutschland ist.

Einzig die Ergebnisse unseres BU-Ratings basieren auf umfangreichen Stichproben bei den Unternehmen vor Ort, unter anderem zur Leistungsfallbearbeitung“, meint Michael Franke.

Einzig die Ergebnisse unseres BU-Ratings basieren auf umfangreichen Stichproben bei den Unternehmen vor Ort, unter anderem zur Leistungsfallbearbeitung“, meint Michael Franke. Bild: Stefan Neuenhausen

BU-Ratings kranken nicht selten an einer gewissen Intellektualität, die dem Vermittler und dessen Kunden im Alltag nicht wirklich weiterhelfen. Etwa bei der Beurteilung, wie die Versicherer den BU-Fall tatsächlich regulieren. Das BU-Unternehmensrating, das vom Analysehaus von Franke und Bornberg jedes Jahr gemacht wird, muss da auf den ersten Blick aus einem anderen Grund auch irgendwie enttäuschen. Lediglich sechs Anbieter machten mit: Aachen Münchener, Ergo, HDI, Nürnberger, Swiss Life und erstmals auch die Allianz. Im Vorjahr waren auch noch Stuttgarter und Zurich dabei, diesmal nicht.

Und alle sechs Gesellschaften bekamen auch noch die Höchstnote „hervorragend“. Marktführer Allianz wurde wegen seiner erstmaligen Teilnahme in den Bereichen Kundenorientierung und Stabilität allerdings noch nicht geratet, sondern nur bei der Leistungsregulierung. Insofern scheint das Rating nur eingeschränkte Marktbedeutung und wenig Leistungsdifferenzierung zu bieten.

Analyse vor Ort bei Versicherern 

Doch auf den zweiten Blick erschließt sich der Wert für den BU-Markt insgesamt: Erstens beteiligen sich die vier größten BU-Versicherer in Deutschland an der Untersuchung. Zweitens besticht das Rating durch Qualität: „Es ist die einzige Untersuchung von BU-Versicherern am deutschen Markt, bei der die Ergebnisse auf umfangreichen Stichproben bei den Unternehmen vor Ort basieren, unter anderem zur Leistungsfallbearbeitung“, erklärt Geschäftsführer Michael Franke. In den Geschäftsräumen der Versicherer werde der Antragsprozess einschließlich Risikoprüfung untersucht, Leistungsprüfung, Regulierung und Nachprüfungen unter die Lupe genommen und würden betriebswirtschaftliche Daten und Kennzahlen – darunter auch interne Informationen - analysiert.

Drittens sind die Wettbewerbsimpulse dieser sechs Anbieter für den Gesamtmarkt wichtig. Die Gesellschaften schneiden in drei maßgeblichen Kriterien marktführend ab:

  • Kundenorientierung in der Angebots- und Antragsphase (Gewichtung 25 Prozent): Hier geht es unter anderem um Produkte, Antragsgestaltung, Annahmerichtlinien, Antragsbearbeitung sowie Maßnahmen zur Verhinderung von Anzeigepflichtverletzungen. Auch die Bedarfsorientierung (Höhe der versicherten Leistungen sowie Dauer des BU-Schutzes) fließt ein.
  • Stabilität des BU-Geschäfts (Gewichtung 50 Prozent): Hier zählt die Stabilität. Im Teilbereich Risikoprüfung werden Annahmeentscheidungen, das Vermeiden subjektiver Risiken und der Verzicht auf riskante Vertriebsaktionen mit vereinfachter Gesundheitsprüfung honoriert. Zudem zählen verlässliche und nachhaltig erwirtschaftete Überschüsse sowie ausgeglichene Schadenquoten. Im Teilbereich Leistung zählen Nachprüfung, belastbare Entscheidungen sowie bei Bedarf Klärung des Sachverhaltes vor Ort. Effektives Controlling bringt ebenfalls Stabilität.
  • Kundenorientierung in der Leistungsregulierung (Gewichtung 25 Prozent): Mit 11 Prüfpositionen wird unter anderem analysiert, ob Anspruchsteller angemessen und fair begleitet und ihre Belange ausreichend berücksichtigt werden. Schnelle Reaktionszeiten, kundenorientierte Kommunikation, kurze Regulierungsdauern sowie transparente und nachvollziehbare Entscheidungen bringen Pluspunkte. Je Gesellschaft werden mindestens 125 anonymisierte Leistungsfälle vor Ort im Unternehmen untersucht.

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