„Vorsorge ist bei Frauen unpopulär“

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Frauen ziehen die Absicherung von Risiken einer Altersvorsorge oftmals vor. Warum das so ist und wie Berater ihre weibliche Zielgruppe besser verstehen können, erklärt Finanzberaterin Barbara Rojahn.

Barbara Rojahn ist seit 25 Jahren freie Finanzberaterin engagiert sich zudem stark für die Finanzbildung von Frauen, unter anderem mit der Gründung von Frauen-Aktienclubs. Foto: Tom Pingel

procontra: Das früher dominierende Einverdiener-Modell ist auf dem Rückzug, rund 75 Prozent aller Frauen sind berufstätig – haben Frauen heute ihre finanzielle Unabhängigkeit erreicht?

Barbara Rojahn: Es stimmt, dass heute mehr Frauen berufstätig sind – der Arbeitsmarkt braucht sie auch. Frauen sind allerdings sehr häufig teilzeitbeschäftigt oder haben einen Mini-Job. Und mit einer Teilzeitbeschäftigung oder ihren reduzierten Arbeitszeiten haben sie ihre finanzielle Unabhängigkeit natürlich nicht im Griff. Denn sie verdienen deutlich weniger als die Männer und können demzufolge auch weniger Geld in die Altersvorsorge stecken.
Darüber hinaus geben sie ihr Geld verhältnismäßig häufig für die Kinderbetreuung aus, statt diese aus dem Familieneinkommen zu zahlen. Wir sind zwar in den vergangenen Jahren einige Schritte weitergekommen, aber die finanzielle Unabhängigkeit haben die meisten Frauen noch lange nicht erreicht.

procontra: 25 Jahre sind sie jetzt als unabhängige Finanzberaterin tätig. Wie hat sich in dieser Zeit die Situation der Frauen verändert?

Rojahn: Das Bewusstsein, das Frauen heute selbst etwas für ihre Altersvorsorge machen müssen, ist mittlerweile durchaus vorhanden. Es gibt zwar immer noch ab und an die Überzeugung, dass der Mann die beste Altersvorsorge ist, aber das lässt insbesondere bei den jüngeren Frauen glücklicherweise deutlich nach. Woran es hingegen noch fehlt, ist die sich aus dem Bewusstsein ergebende Konsequenz, trotz geringerem Einkommen genauso viel wie die Männer in die Altersvorsorge zu investieren.

procontra: Das ist ja eine Entscheidung, die viele Paare gemeinsam treffen. Inwieweit können Sie hier Einfluss nehmen?

Rojahn: Es wird auf jeden Fall in der Beratung angesprochen. Viele Frauen haben offenbar immer noch das Problem, dass sie sich nicht trauen, mit dem Partner über das Thema Geld zu sprechen. Das Thema sollte aber offen thematisiert werden, und zwar am besten vor der Hochzeit. Es will ja keiner dem anderen etwas Böses, es geht einzig und allein um ein Gespräch auf Augenhöhe. Für uns ist es natürlich ein Traum, wenn die Frauen ihre Partner gleich mit in die Beratung bringen.

So können wir gemeinsam schauen, was das Beste für alle Beteiligten ist. Ich hatte jüngst einen Fall, in dem eine Mutter von vier Kindern, die mit einem Chefarzt verheiratet ist, ihren Minijob verloren hatte. Ihr Mann rief mich an und erklärte, dass seine Frau nicht mehr ihre Altersvorsorgebeiträge zahlen könne. Auf die Idee, dass er diese übernehmen könne, war er gar nicht gekommen. Ohne Probleme hat er dann die regelmäßigen Zahlungen übernommen.




procontra: Nun soll der Makler ja von sich aus auf die individuellen Bedürfnisse seiner Kunden eingehen. Warum braucht es da eine extra Finanzberatung für Frauen?

Rojahn: Viele Frauen gehen lieber zu Frauen, weil diese ihre persönliche Lebenssituation und vielleicht auch ihre Ängste einfach besser verstehen. Wenn eine Frau zwei Kinder hat, aber kein Geld für die Altersvorsorge – diese Situation kann eine Frau viel besser nachvollziehen, insbesondere, wenn sie selbst Kinder hat.
Die meisten Frauen wünschen sich eine anspruchsvolle, bedarfsgerechte Beratung, erleben aber bei männlichen Beratern oftmals überfordernde Situationen, in denen ihnen zahlreiche Charts gezeigt sowie unverständliche Fachbegriffe verwendet werden. Sie möchten die Dinge genau verstehen und benötigen Zeit für ihre Entscheidung. Auch das Bauchgefühl muss stimmen.

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