Urteil: Wer bezahlt das fehlerhafte Gutachten?

Berater Recht & Haftung von Martin Morgenstern

Wer muss in Folge eines Verkehrsunfalls für die Kosten eines Privatgutachtens aufkommen, wenn dieses fehlerhaft ist? Mit dieser Frage hatte sich Amtsgericht Frankfurt zu beschäftigen.

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Wer kommt für ein fehlerhaftes Gutachten auf? Bild: Iakov Filimonov

Nach einem Verkehrsunfall ließ die Geschädigte ihr Fahrzeug begutachten. Daraus entstanden der Frau Kosten in Höhe von ca. 1.000 Euro. Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers weigerte sich, in Leistung zu gehen, da das Privatgutachten wegen handwerklicher Mängel unbrauchbar sei. Der Versicherer stellte eigene Berechnungen an und kürzte daraufhin sogar den erstatteten Sachschadenbetrag. Im folgenden Prozess wurde durch ein gerichtliches Gutachten ermittelt, dass der Privatgutachter den Restwert des Fahrzeugs tatsächlich falsch eingeschätzt hatte.

Dennoch wurde die Versicherung zur Zahlung der Gutachterkosten verurteilt (Az. 31 C 1884/16 (17)). Die Richter argumentierten, dass der Unfallverursacher grundsätzlich für – auch fehlerhafte – Gutachten aufkommen müsse. Ein Fehler des Sachverständigen könne schließlich nicht dem Geschädigten zugerechnet werden. Es sei denn, der Geschädigte hätte auch ohne sonderliche Sachkenntnisse erkennen können, dass das Gutachten fehlerhaft sei. Diese Ausnahme sei in diesem Fall aber nicht gegeben.

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