Targetum-Opfer müssen um ihre Auszahlungen bangen

Sachwerte von Florian Burghardt

Letzten Sommer meldete der Finanzdienstleister Targetum Insolvenz an. Er hatte gezielt Geschäfte mit bereits geprellten Anlegern gemacht. Diese warten seitdem nicht nur auf ihr Geld, sondern sollen nun auch bereits erhaltene Ausschüttungen zurückzahlen.

Einigen Anlegern der insolventen Targetum Treuhand GmbH flattern dieser Tage unerfreuliche Briefe vom Insolvenzverwalter ins Haus.

Einigen Anlegern der insolventen Targetum Treuhand GmbH flattern dieser Tage unerfreuliche Briefe vom Insolvenzverwalter ins Haus. Bild: Pixabay

Für einige der Opfer der insolventen Targetum Treuhand GmbH kommt es nun noch dicker. Nicht genug damit, dass sie ihr investiertes Geld voraussichtlich nicht mehr vollständig zurückerhalten werden. Nun sollen sie auch noch bereits erhaltene Auszahlungen zurückerstatten, inklusive Zinsen. Das fordert, laut der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH), der zuständige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Joachim Büttner aus der Hamburger Kanzlei BRRS Rechtsanwälte.

Zwar ist es die Aufgabe eines Insolvenzverwalters, die Insolvenzmasse eines Unternehmens zugunsten aller Gläubiger zu mehren und diese Summe dann gleichmäßig an sie alle zu verteilen. Aber ist es überhaupt rechtens, dabei einzelne, von der Insolvenz ohnehin schon geschädigte Anleger für die Mehrung der Insolvenzmasse extra zu belangen?

Anfechtung von Auszahlungen

Ja, es gibt diesen Weg, erklärt man seitens der VZHH, die dieses Vorgehen aber nicht gutheißt. Der Insolvenzverwalter könne Zahlungen, die Targetum innerhalb bestimmter Fristen vor dem Insolvenzantrag an Dritte geleistet hat, anfechten und zurückfordern.

Um eine Zahlung anfechten zu können, muss der Insolvenzverwalter dem Zahlungsempfänger aber nachweisen, dass dieser von der schwierigen wirtschaftlichen Situation bei Targetum wusste. „Als Hinweise hierauf dienen ihm häufig schon Ratenzahlungsvereinbarungen, die mit der inzwischen insolventen Firma vor dem Insolvenzeintritt geschlossen wurden“, erklärt man seitens der VZHH.

Die Verbraucherschützer raten Betroffenen davon ab, sich ohne rechtliche Prüfung selbst auf einen Schriftverkehr mit dem Insolvenzverwalter einzulassen oder seiner Forderung ungeprüft nachzukommen.

Vom Regen in die Traufe

Bei Targetum handelte es sich um ein Konglomerat aus anwaltlicher Beratung und Finanzdienstleistung. Das Geschäftsmodell der Hamburger richtete sich an potenzielle Mandanten, die ihr Vermögen in geschlossene Fonds investiert und damit hohe Verluste eingefahren hatten. Targetum wollte ihnen, laut eigener Aussage, dabei helfen, Schadenersatzansprüche aufgrund Falschberatung gegen Banken durchzusetzen. Die auf diesem Wege geretteten Gelder sollten die Kunden anschließend in einen Darlehens- bzw. Gesellschaftsvertrag mit Targetum investieren und aus diesem monatliche Zinsausschüttungen erhalten.

Allerdings bemerkte die BaFin im Juni 2018, dass Targetum sein Einlagen- und Kreditgeschäft ohne ihre Erlaubnis betrieb. Daraufhin ordnete die Aufsicht die Einstellung und Abwicklung des Geschäfts inklusive vollständiger Rückzahlung der Anlegergelder an. Doch die Rückzahlung erfolgte nicht. Stattdessen wurde nur zwei Monate später das Insolvenzverfahren über Targetum eröffnet. Laut Informationen der Verbraucherschützer sind rund 100 Anleger von der Pleite betroffen. Sie hätten Targetum zwischen 3 und 4 Millionen Euro anvertraut. 

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