Provisionsdeckel: Erbitterter Streit bei dünner Faktenlage

Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt von Detlef Pohl

Diskussion: Lebensversicherung gescheitert?

In der Diskussion, die souverän von Thomas Köhne, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, moderiert wurde, zeigte sich weitgehende Einigkeit, dass ein weiterer Provisionsdeckel mit der Wirtschaftsordnung unvereinbar ist. Lediglich Axel Kleinlein, von Hause aus Versicherungsmathematiker, schoss quer. Seiner Ansicht nach sei die Lebensversicherung als Produkt der Altersvorsorge gescheitert. „Die Kapitalversicherung gehört vom Markt genommen“, sagte Kleinlein wörtlich. Er verglich die Lebensversicherung mit Dieselautos, die inzwischen quasi unverkäuflich seien. Alternative Produkte konnte er auf Nachfrage von Köhne nicht nennen, da seine Tätigkeit ihm Kompetenz nur im Versicherungsbereich zugestehe.

Kleinlein stellte auch einen Zusammenhang zwischen Provisionsdeckel und Beratungsqualität her. Der Deckel würde die Vermittlerzahlen senken und so schwarze Schafe aus dem Markt drängen. Dem widersprachen Wirth und Jacobus heftig. Es gebe nur wenige schwarze Schafe. „Zur Grundannahme nach elf Jahren Regulierung gehört, dass Versicherungsmakler lauter und ehrlich beraten“, so Jacobus. Ein hoher Deckel würde „tektonische Verschiebungen im Vertrieb zulasten der Makler geben“, prognostizierte der Ideal-Chef. Damit wäre Verbrauchern ein Bärendienst erwiesen. Daher fehle ihm „die Phantasie, was der Gesetzgeber da letztlich machen will“. Einen gangbaren Weg sieht Jacobus allenfalls in mehr ratierlicher Vergütung als bisher im Markt üblich.

Kundenreaktionen pro Lebensversicherung

Den Kleinlein-Vorwurf, die Lebensversicherer böten schlechte Produkte, konterte Jacobus mit Zahlen. Die bereinigte Rendite auf den reinen Beitrag liege derzeit zwischen 4,0 und 4,5 Prozent. Damit fühlten sich Verbraucher deutlich wohler als mit Ergebnissen riskanterer Produkte. Dies zeige auch der Blick auf die Dynamiken. „Hatten vor der Finanzkrise allenfalls 50 bis 60 Prozent der Kunden einer regelmäßigen Erhöhung von Beitrag und Leistung zugestimmt, so sind es jetzt über 90 Prozent“, sagte der Ideal-Chef für sein Haus. „Den Kunden fehlen schlich Alternativen“.

Die Teilnahme an den Veranstaltungen des Vereins zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin ist kostenlos. Interessenten können sich per E-Mail in den Verteiler aufnehmen lassen. Aktuare und Versicherungsvermittler können die Teilnahme als Weiterbildungszeit abrechnen.

Seite 1: Wirth: Deckelung erschwert Verbraucherberatung
Seite 2: Kleinlein: Deckel nötig, Provisionsverbot nicht
Seite 3: Diskussion: Lebensversicherung gescheitert?