Provisionsdeckel: Erbitterter Streit bei dünner Faktenlage

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Kleinlein: Deckel nötig, Provisionsverbot nicht

Das liege vor allem an den deutlich gesunkenen Leistungen. Daher schlug der BdV-Chef vor, zur alten Bezugsgröße zurückzukehren, die sich an den tatsächlichen Kundenleistungen orientiere. Zur aktuellen Diskussion um die Einführung eines Provisionsdeckel sagte Kleinlein: „Den gibt es nach Aufsichtsrecht seit 2014 doch schon – in Höhe von 2,5 Prozent der Beitragssumme.“ Ausdrücklich sprach sich Kleinlein gegen ein Provisionsverbot aus. „Das Provisionssystem ist intransparent, doch ein Provisionsverbot keine Lösung“. Damit stellte er sich gegen die Forderung des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv). „Verbraucherschutz sei nicht homogen“, so Kleinlein.

Norman Wirth hält dagegen mathematische Berechnungen zur Höhe eines wie auch immer gearteten Provisionsdeckels derzeit für völlig unnötig. Vom BMF fehlten im Moment jegliche Beweise, dass die Kosten zu hoch, Provisionen exzessiv gezahlt und die Qualität der Beratungen zu niedrig seien. Zwei Gutachten von Hans-Jürgen Papier und Hans-Peter Schwintowski mit guten Argumenten gegen einen Deckel seien bisher argumentativ von niemandem entkräftet worden. Angesichts der durchschnittlichen Jahresgewinne von 50.000 Euro pro Einzel-Makler (vor Steuern und Altersvorsorge) wäre die Einführung eines Provisionsdeckels eine Farce. Wirth dazu rhetorisch: „Müssten die Makler für ihre Beratungstätigkeit nicht mehr Provision bekommen?“

Jacobus: Wert der Beratung ermitteln statt Vergütung deckeln

„Das würde ich bejahen“, sagte Rainer M. Jacobus, Vorstandschef der Ideal Versicherungen. Er beklagte, dass der Wert der Beratung im Versicherungsbereich weitgehend unklar sei. Die Beratungsleistung sei zwar im Beitrag eingepreist, doch sowohl beim Kunden als auch beim Vermittler und den Versicherern kein Thema. „Vermittler gehen mit ihrer Leistung in aller Regel fahrlässig um und vertreten die Kosten dafür meist nur defensiv gegenüber den Kunden“, hat Jacobus beobachtet. Ein Recht auf kostenlose Beratung gebe es nicht. „Der Vermittler muss dem Kunden ein Preisschild umhängen, über das er sich selbst zuvor im Klaren sein muss“, so der Ideal-Chef.

Ein Provisionsdeckel sei nichts weiter als Zeichen des politischen Drucks, die Lebensversicherung wettbewerbsfähiger zu machen. „Doch erst, wenn der Wert der Beratung bekannt und benannt ist, kann man über weitere regulatorische Maßnahmen nachdenken“, kritisierte Jacobus den politischen Weg zur Senkung der Vergütungen, der ausgerechnet die im Lager des Kunden stehenden Makler am härtesten treffen würde. „Wir sagen unseren Mitgliedern auch bei jeder Gelegenheit, dass sie doch mal aufschreiben sollen, was sie alles für ihre Kunden leisten“, bestätigte der AfW-Chef. Dies führe nicht selten dazu, dass Kunden manche Leistung zusätzlich zur Courtage bezahlen, weil der Maklerbetrieb sonst schon jetzt betriebswirtschaftlich an seine Grenzen kommt.

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