Provisionsdeckel: Erbitterter Streit bei dünner Faktenlage

Berater Versicherungen Top News Meistgeklickt von Detlef Pohl

Die Evaluierung des LVRG von 2014 legt laut BaFin noch 2019 einen Provisionsdeckel nahe. Was die Folgen einer Vergütungsdeckelung wären und wo ein Kompromiss liegen könnte, wurde bei einem versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch beleuchtet.

Ein Provisionsdeckel ist notwendig, sagt Axel Kleinlein (2.v.l.). Norman Wirth (rechts) findet ihn genauso wie Rainer Jacobus (links) überflüssig, während Moderator Thomas Köhne mangelnde Informationen der Bundesregierung dazu beklagt. Bild: Pohl

Ein Provisionsdeckel in der Lebensversicherung ist geplant, aber noch nicht beschlossen (procontra berichtete). Auf den BaFin-Vorschlag folgte der LVRG-Evaluierungsbericht vom Bundesministerium der Finanzen (BMF), ohne darin zur Begründung konkrete Missstände zu nennen.

Das halten viele Experten für verfassungsrechtlich bedenklich (procontra berichtete). Inzwischen haben drei Vermittlerverbände dazu Gutachten eingeholt. Ergebnis: Ein Provisionsdeckel im Bereich der Lebensversicherung wäre sowohl verfassungsrechtlich als auch europarechtlich unzulässig (procontra berichtete).

Wirth: Deckelung erschwert Verbraucherberatung

„Der angedachte Provisionsdeckel gefährdet den Berufsstand der Versicherungsvermittler, führt zu weniger Beratung und erschwert Verbrauchern den Zugang zur notwendigen Versicherungs- und Finanzberatung“, sagte Norman Wirth, Vorstandschef des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, dazu gestern Abend während einer Fachtagung in Berlin. Beim 41. versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch des Vereins zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin stand das Thema „Provisionsdeckel in der Lebensversicherung - notwendiger Verbraucherschutz oder Überregulierung?“ im Blickpunkt.

Anfangs hatte Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten (BdV), in seinem Impulsvortrag einen Provisionsdeckel von 1,5 Prozent der Beitragssumme als maximale Höhe der Vergütung für die Vermittlung von Lebensversicherungen ins Spiel gebracht. „Dies wäre eine angemessene Vergütung“, behauptete Kleinlein mit Blick auf die Vergangenheit. Demnach wurde die Provision bis 1994 an der Höhe der garantierten Erlebensfallleistung gemessen. Üblich seien damals 3,5 Prozent dieser Leistung gewesen. Danach wurde die Bezugsgröße umgestellt – auf die Summe der vereinbarten Beiträge. Fortan waren 4,0 Prozent die aufsichtsrechtliche Obergrenze. „Gemessen an der früheren Bezugsgröße haben sich die Provisionen in den letzten 20 Jahren etwa verdreifacht“, rechnete Kleinlein vor.

Seite 1: Wirth: Deckelung erschwert Verbraucherberatung
Seite 2: Kleinlein: Deckel nötig, Provisionsverbot nicht
Seite 3: Diskussion: Lebensversicherung gescheitert?

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare