Kfz-Urteil: Mit unpassender Fahrweise muss gerechnet werden

Berater von Martin Morgenstern

Wenn ein Fahrschüler ohne erkennbaren Grund plötzlich abbremst, kann der Dahinterfahrende für mögliche Unfallschäden haften. Das ergab ein Urteil des Landgerichts Saarbrücken (Az.: 13 S 104/18).

Kfz Urteil Fahrschule

Bei einem Fahrschulwagen ist immer erhöhte Vorsicht geboten. Bild: New Africa

Ein Fahrschüler fuhr, in einem entsprechend gekennzeichneten Auto, in einen Kreisverkehr ein. Er wollte an der ersten Ausfahrt den Kreisverkehr verlassen. Dabei bremste er abrupt ab. Der nachfolgende Wagen konnte das Tempo nicht mehr rechtzeitig verringern und fuhr auf den Fahrschulwagen auf.

Daraufhin forderte der Fahrer des auffahrenden Wagens die Hälfte der Unfallkosten von der Versicherung der Fahrschule. Diese weigerte sich. Der Fahrschüler habe eine Person am Straßenrand gesehen und gedacht, dass diese die Fahrbahn überqueren wolle. Daraufhin bremste er scharf. Laut der Versicherung sei das ein typisches Verhalten eines Fahrschülers. Der Hintermann hätte mehr Abstand halten müssen, um so den nötigen Bremsweg einhalten zu können.

Fahrschule: Erhöhte Vorsicht geboten

Das eingeschaltete Gericht folgte der Auffassung der Fahrschulversicherung. Jeder Verkehrsteilnehmer muss einen ausreichenden Abstand einhalten, um auf plötzlich auftauchende Hindernisse entsprechend reagieren zu können. Falls der Vordermann ohne ersichtlichen Grund stark abbremsen sollte, könnte dies unter Umständen anders bewertet werden. Bei einem erkennbar gekennzeichneten Fahrschulwagen sei jedoch stets mit einer unangepassten Fahrweise zu rechnen und erhöhte Vorsicht geboten.

Die volle Haftungshöhe sahen die Richter jedoch nicht beim Fahrer des aufgefahrenen Wagens. Eine 30 prozentige Mithaftung liege auf Seiten der Fahrschule, da sich das abrupte Bremsmanöver direkt in der Ausfahrt des Kreisverkehrs abgespielt habe und für den Hintermann nur wenig Reaktionsmöglichkeit geblieben sei.

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