Immobilienkredite: Wachsendes Geschäftsfeld für Lebensversicherer

Versicherungen von Florian Burghardt

Wer sich Geld für den Hausbau leihen will, geht dafür zur Bank. Diese These wackelt zunehmend, den die Lebensversicherer vergeben von Jahr zu Jahr höhere Immobilienkredite. Jüngst stand ein neuer Rekord zu Buche – und der nächste wartet schon.

Die vergebenen Immobilienkredite der Lebensversicherer stiegen 2018 um 11,8 Prozent. Für das laufende Jahr wird ein neuer Höchstwert erwartet.

Die vergebenen Immobilienkredite der Lebensversicherer stiegen 2018 um 11,8 Prozent. Für das laufende Jahr wird ein neuer Höchstwert erwartet. Bild: Pixabay

Die Deutschen sind dazu bereit, für ihren Traum vom Eigenheim immer höhere Kaufpreise zu bezahlen. Da die meisten Immobilienkäufe über eine Finanzierung laufen, steigt in der Folge die Höhe der durchschnittlichen Darlehenssumme. Diese lag Ende 2018 bei 233.000 Euro. Zwei Jahre zuvor waren es noch 191.000 Euro gewesen.

Von der wachsenden Nachfrage nach immer höheren Krediten für Neubauten oder den Erwerb von Bestandsimmobilien profitieren auch zunehmend die deutschen Lebensversicherungsunternehmen. Im vergangenen Jahr zahlten die Versicherer für solche Zwecke 8,4 Milliarden Euro an ihre Kunden aus. Das waren rund 800 Millionen Euro mehr als im Jahr 2017. Ein Anstieg um 11,8 Prozent, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heute mitteilte.

Damit hat sich das jährliche Kreditvolumen der Branche für Wohnungsbau und -erwerb seit dem Jahr 2010 verdoppelt. Zudem zeichnet sich für das Jahr 2019 bereits jetzt ein neuer Höchstwert ab. Denn laut Zahlen des Verbands waren bereits zum Jahresende 2018 knapp über 8 Milliarden Euro an neuen Krediten zugesagt, die im laufenden Jahr zur Auszahlung kommen werden. Den Großteil davon wollen die Kreditnehmer für den Kauf von Bestandsimmobilien verwenden (45 Prozent). In Neubauten sollen 29 Prozent des Geldes fließen, die übrigen 26 Prozent in die Ablösung von Altkrediten.

Vorteile – nicht nur für Kunden

Zwar ist der Marktanteil der Lebensversicherer mit nur 4 Prozent recht gering – gemessen an der Summe der insgesamt ausgezahlten Immobilienkredite für Privathaushalte. Doch die Angebote der Assekuranz bedienen dabei, stärker als die der Banken, die speziellen Bedürfnisse von Kreditnehmern, die eine möglichst langfristige Zinsbindung bevorzugen oder benötigen. Da die Lebensversicherer über viele sehr langfristige Beitragseinnahmen verfügen, können sie leichter Zinsbindungen über 20 oder 30 Jahre vergeben, als Banken, die sich überwiegend über kurzfristige Einlagen wie Girokonten und Termingelder refinanzieren.

Doch nicht nur für den Kunden bietet der Baukredit vom Lebensversicherer Vorteile. „In der anhaltenden Niedrigzinsphase ist die Immobilienfinanzierung für Lebensversicherer eine attraktive Kapitalanlage”, sagt GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener. „Hypothekenkredite bieten nicht nur hohe Sicherheiten, sondern auch höhere Renditen als langlaufende Staatsanleihen bester Bonität.”

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