Geht Altersvorsorge situativ?

Digital von Michael Fiedler

Wie kann man die junge Generation zur Altersvorsorge bewegen? Diese Frage treibt die Versicherungsbranche um. Auf dem Hacknext in München gab es Antworten.

Altersvorsorge Hackathon App München InsurTech

Xmen überzeugten die Jury beim Hacknext in München. Womit das gelang. Bild: Hacknext

Wer im Alter seinen bisherigen Lebensstandard halten möchte, muss neben der gesetzlichen Rente auf private Vorsorge setzen. Das gilt insbesondere für junge Menschen, die wohl nicht viel aus der Rentenkasse erwarten können.
Doch wie bewegt man die junge Generation dazu, regelmäßig für den eigenen Ruhestand vorzusorgen? Wer könnte die Antwort besser geben, als die Betroffenen selbst? Das dachten sich vermutlich auch die Veranstalter des Hacknext in München.
Denn eine der sechs Herausforderungen, denen sich die insgesamt 20 Teams stellten, befasste sich mit neuen Konzepten für die Altersvorsorge. Damit trafen die Veranstalter offenbar einen Nerv bei den Teilnehmern, denn sieben Teams nahmen sich dieser Aufgabe an. Dass Altersvorsorge bei jungen Menschen also nur auf Desinteresse stößt, lässt sich zumindest für die 250 Teilnehmer beim Hacknext nicht sagen.

Altersvorsorge geht auch situativ

Das Team „xmen“, das sich wie die meisten Teams erst vor Ort kennenlernte, konzipierte eine App, die Nutzer motivieren soll, Kleinstbeträge für Altersvorsorge einzuzahlen. Das funktioniert so: Kauft der Nutzer beispielsweise technische Geräte und zahlt per Karte, kann der Kaufbetrag aufgerundet werden. Dieser „Überschuss-Betrag“ wird in ein Altersvorsorge-Produkt eingezahlt. Im Praxisversuch auf dem Hackathon war das Fourmore der Allianz – es könnte aber auch ein anderes Vorsorgeprodukt sein, das flexible Einzahlungen zulässt.

Voraussetzung ist, dass der Nutzer dem Vermittler Zugang zu seinen Kontoinformationen gewährt. Das ist im Rahmen von PSD II (EU-Zahlungsdiensterichtlinie) möglich, die Banken dazu verpflichtet, Schnittstellen nach außen anzubieten.

Mit dieser Idee konnte das Team auch die Jury überzeugen. „Das Konzept ist leicht umsetzbar und erleichtert den Einstieg in die Altersvorsorge. Statt regelmäßig 100 Euro oder mehr fest einzuzahlen, wird auf Mikrosparen gesetzt – das kann gut gelingen“, schätzt Max Steinmetz, Manager bei der Beratungsgesellschaft zeb.

Machbarkeit im Vordergrund

„Aus guten Ideen muss auch etwas werden“, unterstrich Juror Michael Franke gegenüber procontra. Deshalb kombiniert die Veranstaltung den „klassischen Hackathon“ mit Konferenz- und Workshopelementen. Ein Konzept, das aufgeht. Der Preisträger des 1. Hackathons, die App Pillenfee, verbindet elektronisches Rezept mit einem Medikationsplan und hat damit – so hört man – auch die Aufmerksamkeit des Bundesgesundheitsministeriums geweckt.

Preisträger in Übersicht

Ausgezeichnet wurden diese drei Ideen:

  • Team XMEN:

    • Nutzung von Mikropayments für die Altersvorsorge
    • Mission: „We want to help very young people to easily save for their retirement rather early than too late.”
    • Datenauswertung: PSD2-Daten
    • App „TIP TAP“ motiviert Kleinstbeträge für die Altersvorsorge zur Seite zu legen – diese App ist intuitiv, dynamisch und spielerisch

  • Team InsurIT:

    • Artificial Insurance Agent
    • Mission: Kunden automatisiert das richtige Produkt zur richtigen Zeit empfehlen
    • Datenauswertung: PSD2-Daten, Social Media Daten (Twitter etc.)

  • Team I-Gent

    • Vermittler-Dashboard, dass die Kundeninteraktion über diverse Kanäle vereinfacht und Aufgaben direkt im CRM-System festhält
    • Mission: Making Insurance Agents great again!
    • Datenauswertung: E-Mails und Chatverläufe werden mit künstlicher Intelligenz ausgewertet. Entweder werden Anfragen automatisch per Chatbot (FAQs) beantwortet oder an den Vermittler zur individuellen Beantwortung weitergeleitet.

 

Hinweis:
Veranstalter des Hackanext vom 07.-09.März 2019 in München waren DataArt, Franke & Bornberg, Kaiser X Labs und zeb. Sowohl InsurTech Werft Hamburg als auch procontra waren Medienpartner der Veranstaltung.

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