Altersvorsorgepflicht: Selbstständige sollten gewinnabhängige Beiträge zahlen

Berater Top News Meistgeklickt von Reinhold Thiede

Ab 2020 soll eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige gelten. Unklar ist noch, wie diese exakt aussehen soll. Tipps für die Umsetzung holte sich der Bundesausschuss bei Sachverständigen wie Dr. Reinhold Thiede. Für procontra kommentiert er seine Vorschläge.

Dr. Reinhold Thiede von der Deutschen Rentenversicherung Bund appelliert vor allem an eine möglichst unbürokratische Umsetzung der Altersvorsorgepflicht für Selbstständige.

Dr. Reinhold Thiede von der Deutschen Rentenversicherung Bund appelliert vor allem an eine möglichst unbürokratische Umsetzung der Altersvorsorgepflicht für Selbstständige. Bild: Deutsche Rentenversicherung Bund

Anders als in den übrigen 27 Staaten der Europäischen Union besteht in Deutschland bislang keine umfassende obligatorische Alterssicherung für Selbständige; rund 3 Millionen der insgesamt gut 4 Millionen Selbstständigen sind gegenwärtig nicht obligatorisch gesichert. Gleichzeitig ist die Inanspruchnahme von Leistungen der Grundsicherung im Alter bei vormals Selbstständigen doppelt so hoch wie unter zuvor abhängig Beschäftigten. Vor diesem Hintergrund wird seit langem eine obligatorische Alterssicherung für Selbstständige gefordert, um diese einerseits vor dem Risiko der späteren Altersarmut zu bewahren und andererseits die Gesellschaft vor dem Risiko zu schützen, über die Grundsicherung für die Versorgung derjenigen aufkommen zu müssen, die sich nicht freiwillig ausreichend absichern.

Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD Anfang 2017 vereinbart, die Einführung einer obligatorischen Alterssicherung für Selbstständige auf den Weg zu bringen. Während die Rentenversicherung eine Lösung präferiert hätte, bei der die bislang nicht obligatorisch gesicherten Selbständigen generell in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) einbezogen werden, sieht der Koalitionsvertrag vor, dass den Betroffenen die Möglichkeit offensteht, an Stelle der Absicherung in der GRV für eine vergleichbare Absicherung durch andere Vorsorgeprodukte zu optieren („Opt-Out-Möglichkeit“). Dies macht die Absicherung der Selbstständigen – u.a. wegen der notwendigen Koordinierungs- und Prüfverfahren zwischen der GRV und den Anbietern von Opt-Out-Produkten – zwar komplexer und bürokratischer. Dennoch bleibt die obligatorische Alterssicherung aller Selbstständigen sinnvoll und machbar.

Seite 1: Obligatorische Alterssicherung aller Selbstständigen
Seite 2: So bürokratiearm wie möglich

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare