Zinsentwicklung: Geplatzte Sparerträume

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Geringe Investitionsnachfrage

Der zweite Grund für ein tendenziell niedriges Zinsniveau hänge mit dem technischen Fortschritt zusammen, erklärt Angermann. „Bislang“, so der Volkswirt, „vollzieht sich der Digitalisierungsprozess mit einem relativ geringen Kapitalaufwand. Das sieht man an Apple, Google und Co., die ihre Investitionen aus eigenen Mitteln finanzieren.“ In der Folge würden die um den Globus wabernden Ersparnisse in geringerem Maße durch die Investitionsnachfrage absorbiertals in früheren Jahren. Ein weiterer Faktor sei die gestiegene Ungleichheit in der Gesellschaft. Immer mehr Geld liege in wenigen Händen. Reiche hätten aber eine geringere Konsumneigung, was das Sparangebot weiter erhöhe und den Zins tendenziell drücke.

Angermann betont aber, dass die genannten Gründe nicht langfristig wirksam bleiben müssen. Möglich sei, dass die Generation der Babyboomer, wenn sie denn mal im Ruhestand ist, die zuvor gebildeten Ersparnisse wieder auflöse, sich also Konsum gönne. Und die Digitalisierung könne irgendwann doch mit steigenden Investitionen einher gehen, zum Beispiel in den flächendeckenden Aufbau und Einsatz von Robotern. Und durch politische Entscheidungen schließlich könnte eine Umverteilung von Vermögen von Reichen zu ärmeren Menschen mit höherer Konsumneigung stattfinden.

Regierungen im Vorteil

Ob dann aber das Realzinsniveau steigt, muss weiterhin bezweifelt werden. Denn ein Grund wirkt besonders kräftig in Richtung Mini- und Nullzinsen: Die immens hohe Staatsverschuldung in großen Euro-Ländern wie Italien und Frankreich sowie in den USA, Japan und zig anderen Regionen. Auf die Bedeutung der öffentlichen Haushalte für das Zinsniveau hat procontra mehrmals hingewiesen. Denn die Staaten müssen auslaufende Anleihen am Markt refinanzieren, also den einst aufgenommenen Kredit zurückzahlen. Das geschieht fast ausschließlich durch die Aufnahme neuer Schulden. Und da ist es sehr vorteilhaft für die jeweilige Regierung, wenn das zu sehr günstigen Konditionen geschieht.

Zunehmend dürften halbwegs solide Staaten sogar Geld von Investoren bekommen, weil diese ihr Vermögen in einem der wenigen „sicheren Häfen“ parken können. Das klingt verrückt. Immer öfter ist daher auch von Vermögensverwaltern wie Manfred Rath von KSW aus Nürnberg zu hören: „Die Verschuldungsproblematik spricht eindeutig gegen steigende Zinsen. Das können sich manche Länder nicht mehr leisten.“ Und Uwe Fröhlich, Chef des Asset Managers Nuntios sieht angesichts der gewaltigen Schuldenlawine sogar „eine Finanzkrise 3.0 quasi vor der Haustür stehen“.

Was sollten langfristig orientierte Altersvorsorgesparer tun? Die Antwort: Ihr Vermögen streuen. So wenig Sparbuch und Festgeld wie nötig, und so viele Sachwerte wie Aktien (in Form von Fondssparplänen oder auch Fondspolicen) und Immobilien wie möglich. Es wird Zeit für Finanzberater, ihre Kunden darauf hinzuweisen.

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