Telemedizin: Versicherte sind noch gespalten

Berater von Florian Burghardt

Das Angebot ärztlicher Fernbehandlung wird hierzulande voraussichtlich zunehmen. Wie viele Deutsche bereits heute Telemedizin nutzen würden, warum und welche Nachteile sie darin sehen, hat eine Umfrage ermittelt.

Ärztliche Beratung per Telefon, Chat oder Webcam empfinden, einer Umfrage zufolge, viele Bundesbürger als Vorteil gegenüber regulären Besuchen in der Praxis.

Ärztliche Beratung per Telefon, Chat oder Webcam empfinden, einer Umfrage zufolge, viele Bundesbürger als Vorteil gegenüber regulären Besuchen in der Praxis. Bild: Pixabay

Die Bedeutung der Telemedizin schreitet hierzulande voran. Ob per Webcam, Chat oder Telefon – immer mehr Versicherer bauen ihre Angebote ärztlicher Fernbehandlung aus. Allerdings ist der deutsche Markt aus rechtlicher Sicht gerade erst dabei sich langsam zu öffnen. Noch im vergangenen Jahr war der digitale Krankenversicherer Ottonova mit seinem Angebot auf wettbewerbsrechtlichen Gegenwind gestoßen.

Wie so häufig bei technischen Neuerungen fühlen sich davon zuvorderst junge Menschen angesprochen. Das belegt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Nürnberger Krankenversicherung. Dafür wurden im Januar 2019 insgesamt 2.033 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren bevölkerungsrepräsentativ befragt.

Jeder Zweite würde Fernbehandlung nutzen

Laut den Ergebnissen können sich 61 Prozent der 18- bis 34-Jährigen eine telemedizinische Behandlung vorstellen. Bei den 35- bis 54-Jährigen sind es 54 Prozent und bei den über 55-Jährigen 52 Prozent. Insgesamt kämen telemedizinische Angebote für jeden zweiten Deutschen in Frage, heißt es. Favorisiert würden dabei die Beratung am Telefon und per Videochat.

Einen Vorteil von Fernbehandlungen gegenüber regulären Arztbesuchen sehen 45 Prozent der Befragten im Wegfall von langen Wartezeiten. Jeder Vierte stört sich bei regulären Arztbesuchen an Praxisöffnungszeiten, die sich schwer mit den Arbeitszeiten vereinbaren lassen und etwa jeder Fünfte fürchtet die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer. Den Besuch beim Arzt als Hindernis empfinden Menschen unter 55 Jahre deutlich ausgeprägter (80 Prozent) als die Befragten über 55 (50 Prozent).

Kaum Bedenken beim Datenschutz

Drei von vier Telemedizin-Befürworter würden Fernbehandlungsmethoden gerne in der Allgemeinmedizin nutzen. Jeder Dritte hält sie zudem im Fachbereich Psychologie und Psychiatrie für sinnvoll. Gut zwei Drittel der Befürworter fänden es außerdem praktisch, damit ihre Rezepte zu verlängern.

Zwar sind die Umfrageteilnehmer den Ergebnissen zufolge gespalten, was die persönliche Nutzung von Telemedizin anbelangt. Generell betrachtet werden die Behandlungsmethoden aber weniger problematisch eingeschätzt. So glaubt knapp jeder Vierte bei der Frage nach Risiken an eine Gefahr von Fehldiagnosen. Das große Thema Datenschutz in Bezug auf die medizinische Fernbehandlung beschäftigt hingegen nur 7 Prozent der Bundesbürger.

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