Schadensminderung: Wie müssen Versicherte bei Erpressung handeln?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Nachdem ihm sein Fahrzeug gestohlen wurde erhielt ein Mann einen Anruf: „Auto gegen Lösegeld.“ Diese Info behielt er jedoch für sich. Ob der Kfz-Versicherer deshalb die Schadenzahlung kürzen darf, darüber entschied heute das OLG Düsseldorf.

Jemand ruft Sie an und fordert Lösegeld. Erzählt man das seinem Kfz-Versicherer?

Jemand ruft Sie an und fordert Lösegeld. Erzählt man das seinem Kfz-Versicherer? Bild: Pixabay

Wie müssen Versicherte damit umgehen, wenn Diebe von ihnen Lösegeld für die Herausgabe der gestohlenen Sache verlangen? Vor allem, wenn er Diebstahl dem Versicherer schon als Schaden gemeldet wurde? Das Düsseldorfer Oberlandesgericht (Az: I-4 U 127/17) lieferte heute auf diese Frage zumindest eine, den Einzelfall betreffende Antwort.

In dem Verfahren ging es um einen Mann aus dem Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Beim Aufenthalt in Bosnien wurde ihm sein Geländewagen gestohlen (Wert circa 21.000 Euro). Wenig später wurde er von einem Unbekannten telefonisch dazu aufgefordert 4.000 zu bezahlen. Im Gegenzug hätte er seinen Wagen zurückerhalten sollen.

Auf dieses „Angebot“ ging der Mann jedoch nicht ein. Zwar erzählte er davon der Polizei, jedoch nicht seinem Kfz-Versicherer. Dieser erkannte darin allerdings einen grob fahrlässigen Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht des Versicherten. Denn hätte er von dem Lösegeldangebot gewusst, hätte er es möglicherweise angenommen. Deshalb kürzte der Versicherer die Schadenzahlung erheblich und zahlte dem Mann nur ein Drittel des Wiederbeschaffungswertes aus. Dagegen klagte der Mann vor dem Düsseldorfer Landgericht und gewann, woraufhin der Versicherer in Berufung ging.

Volle Schadenersatzpflicht

Doch auch in der heutigen Entscheidung vor dem OLG Düsseldorf unterlag der Kfz-Versicherer. Aus Sicht der Richter sei er in vollem Umfang schadenersatzpflichtig, auch wenn der Versicherer ihm nichts von dem Lösegeldangebot mitgeteilt hatte. Wie die prozessbegleitende dpa berichtet, erklärten die Richter, dass sie der Berufung des Versicherers keinerlei Aussicht auf Erfolg einräumten. Daraufhin habe der Versicherer diese zurückgenommen.

Wie die dpa weiter berichtet, habe das OLG allerdings ausdrücklich offengelassen, ob Autofahrer Lösegeldforderungen grundsätzlich ihrer Versicherung melden müssen.

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