OLG Frankfurt: Überschwemmung eng ausgelegt

Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Versicherungsbedingungen unterliegen einem steten Wandel, gerade in der Gewerbeversicherung. Makler sollten Firmenkunden-Policen regelmäßig überprüfen. Hinweise dazu liefern Urteile zur Gewerbeversicherung. Heute: Überschwemmung in einem Fluss.

In der Elementarschadenversicherung kann zu Begriffen wie Überschwemmung von der Standarddefinition abgewichen werden, wenn beide Vertragspartner es wollen, sagt Rechtsanwalt Tobias Strübing. Bild: Wirth Rechtsanwälte

Trotz augenscheinlich ausreichendem Versicherungsumfang kann es bei näherer Betrachtung zu einer Lücke im Versicherungsschutz kommen. Umso ärgerlicher ist dies, wenn kurz vor einem Schadenfall nach einer Deckungserweiterung die erkannte Lücke dennoch nicht geschlossen werden konnte.

Sachverhalt

Zu einem Wasserkraftwerk in Thüringen gehörte auch ein Granitwehr, dass in einem Fluss vorgelagert war. Der Betreiber hatte zunächst nur das Wasserkraftwerk selbst durch eine gewerbliche Gebäudeversicherung gegen Sturm und Feuer versichert. Nachträglich wurde der Schutz um die Absicherung gegen Elementarschäden erweitert - auch für das Wehr. Die Firma sah sich daher gut versichert.

Bis ein Hochwasser kam und Fließgeschwindigkeit sowie Druck des Wassers im Fluss erheblich ansteigen ließ. Dabei wurde das Granitwehr beschädigt – die Granitkrone brach teilweise ab. Der Versicherer wollte für diesen Schaden aber nicht aufkommen, denn die Elementardeckung enthielt laut Versicherungsbedingungen unter anderem die Risiken Überschwemmung und Rückstau, wobei Überschwemmung als „Überflutung von Grund und Boden des Versicherungsgrundstücks mit erheblichen Mengen von Oberflächenwasser durch Ausuferung von oberirdischen Gewässern definiert war.

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