Gewerbemarkt: „Vermittlern fehlt oft das Fachwissen“

Gewerbeversicherung von Mailin Bartknecht und Michael Fiedler

Dunkelverarbeitung, Vergleichsprogramme und Onlinevertrieb: Der Gewerbemarkt im Versicherungsbereich hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. procontra sprach mit Gewerbemakler Achim Finke (con4b) über die Entwicklung, die auch Nachteile mit sich bringt.

Gewerbeversicherung Fachwissen Achim Finke

Gewerbespezialist Achim Finke im Interview mit procontra über die Entwicklung am Gewerbemarkt im Versicherungsbereich. Bild: procontra / Fiedler

procontra: Herr Finke, Sie sind seit vielen Jahren erfolgreich als Gewerbemakler aktiv. Wie hat sich aus Ihrer Sicht der Gewerbemarkt im Versicherungsbereich in den letzten 30 Jahren entwickelt?

Achim Finke: Es muss unterschieden werden, über welche Makler und welche Gewerbebereiche man redet. Der Markt teilt sich auf in kleinere Makler, mittlere und große Maklerhäuser sowie Spezialmakler. Auf der anderen Seite gibt es Kleingewerbe, Mittelstand und Industrie.
Generell hat die fortschreitende Technik zu immer mehr Dunkelverarbeitung geführt. Es gibt fast keine Papieranträge mehr, die meisten Anträge werden als Deckungsnote vom Makler per Mail an die Versicherer gesendet oder über Zugänge direkt ins System zur Verarbeitung eingegeben. Makler nutzen Bestandsverwaltungsprogramme, die den gesamten Verwaltungsaufwand abdecken. Bestandsauswertungen, Umdeckungen auf Knopfdruck, Mailverkehr und Fernzugriff – alles in einer EDV. Dazu der Wegfall von vielen Akten, da alles eingescannt wird und auf Knopfdruck verfügbar ist.

Kostendruck als Motor

procontra: Welchen Beitrag leisten Versicherer zu dieser Entwicklung?

Finke: Versicherer arbeiten mit Hochdruck an neuen Systemen, mit denen der Antrags- und Policierungsprozess komplett dunkel verarbeitet werden kann. Hier sind natürlich auch Kostengründe der Motor. Abteilungen sind heutzutage nur noch mit einem Bruchteil an Personal bestückt. Versicherer versuchen die Arbeiten, die bislang der Innendienst des Versicherers erledigte, auf den Makler zu verlagern.

procontra: Können Sie das konkretisieren?

Finke: Das Optimum ist es, wenn der Makler die Anträge vollautomatisch in seinem Bestandsverwaltungssystem generiert, diese digital an den Versicherer sendet, dieser wiederum automatisch verarbeitet und die Police ebenfalls digital in das Verwaltungssystem des Maklers einspielt. Auch der Postverkehr wie Nachträge, Rechnungen, Schadenabwicklung und dergleichen werden digital über die Verwaltungsprogramme gesteuert. Der Versicherer spart Druck- und Portokosten, der Makler muss in EDV und Personal investieren. Auch hier eine Verlagerung zu Lasten der Makler.

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