BdV: "Die meisten Leben-Verträge werden gekündigt"

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Die Stornoquote in der Lebensversicherung ist zu hoch. Das hat der Bund der Versicherten ausgerechnet und fordert niedrigere Abschlussprovisionen. Der GDV nahm auf procontra-Nachfrage zu den Vorwürfen Stellung.

Die Stornoquote in der Lebensversicherung liegt bei 2,6 Prozent. Viel zu hoch, findet BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Ein probates Gegenmittel sieht er in der Senkung von Abschlussprovisionen.

Die Stornoquote in der Lebensversicherung liegt bei 2,6 Prozent. Viel zu hoch, findet BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Ein probates Gegenmittel sieht er in der Senkung von Abschlussprovisionen. Bild: BdV

Der Bund der Versicherten (BdV) ist seit jeher umtriebig, wenn es um die Wahrung und Verbesserung von Kundenrechten geht. Dabei kämpfen die Verbraucherschützer an vielen Fronten, wie etwa gegen erfolgsabhängige Vergütungsmodelle in der PKV-Tarifwechselberatung oder auch gegen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Häufigster Sparringspartner des BdV bleibt aber die Lebensversicherung, was erst kürzlich mit lautstarker Kritik an den Renditen von Riester-Versicherungen untermauert wurde.

Heute setzten sich die Vorwürfe gegen die Lebensversicherer fort. Versicherungsprodukte würden sich, laut BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein, generell als ungeeignet für die Altersvorsorge erweisen. Beweis dafür sei die Stornoquote in dieser Sparte. Zwar ist diese in den letzten 10 Jahren konstant gesunken und lag zuletzt bei 2,6 Prozent – „was die Branche für gering hält und als Erfolg feiert“, so Kleinlein.

Vorzeitige Kündigung der Normalfall?

Doch im Umkehrschluss würde eine jährliche Stornoquote von 2,6 Prozent bedeuten, dass gerade bei Verträgen mit langen Laufzeiten die Mehrheit der Policen vor Vertragsende gekündigt wird. Das hat der BdV ausgerechnet und wirft dazu konkrete Zahlen in den Ring.

Beispielsweise würden von 100 Personen im Alter von 20 Jahren, die im Jahr 2019 eine Lebensversicherung abschließen, zu Rentenbeginn im Alter von 67 Jahren 70 ihren Vertrag gekündigt haben, wenn die durchschnittliche jährliche Stornoquote bei 2,6 Prozent liegt. Beim Vertragsschluss im Alter von 30 Jahren würden demzufolge 61 Personen ihre Police verfrüht aufgelöst haben, beim Einstiegsalter 40 immer noch 49 Prozent. Bei Verträgen mit einer Laufzeit von 28 Jahren oder länger habe sich demnach die Kündigung längst zum Normalfall entwickelt.

„Abschlussprovisionen müssen sinken“

„Die Ergebnisse unserer Berechnung zeigen, dass nur ein geringer Anteil aller Verträge durchgehalten wird“, so Kleinlein. Vor Ablauf gekündigte Verträge würden aber meist zu Verlusten führen und wären damit schädlich für die Altersvorsorge, schussfolgert man beim BdV.

Kleinlein weiter: „Offensichtlich gibt es hohe Anreize, nur zu verkaufen, ohne die Kundinnen und Kunden auch halten zu wollen.“ Deshalb hält er es für notwendig, die Verkaufsanreize in Form hoher einmaliger Abschlussprovisionen zu mindern und stattdessen auf nachhaltigere Vergütungen zu setzen. Die aktuelle Situation eines überhitzten Abverkaufs von nicht bedarfsgerechten Lebensversicherungen müsse mitbedacht werden, wenn die Politik demnächst über Kostendeckel oder Provisionsverbote diskutiere, so der BdV-Vorstand.

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