Chancen und Risiken des Bestellerprinzips

Baufinanzierung von procontra

Die Fronten zwischen Befürwortern und Kritikern des Bestellerprinzips bei Immobilienverkäufen sind klar abgesteckt. Welche Chancen und welche Risiken die Einführung hätte.

Wer soll für den Makler bezahlen? Der Verkäufer wie bisher oder der Käufer als Besteller? Foto: goodluz/shutterstock

Bestellerprinzip schafft Klarheit und Transparenz

pro: Steffen Wicker, Gründer und Geschäftsführer von Homeday.

Beim Bestellerprinzip wird zwischen politischen Akteuren, Verbänden, Experten und Branchenvertretern vor allem über den möglichen Nutzen und die zu erwartenden Auswirkungen einer solchen Regelung gestritten. Dabei zeigt ein Blick über den heimischen Tellerrand, dass in der möglichen Einführung auch eine große Chance für die Maklerbranche liegt, sich als Dienstleister im Markt und gegenüber den Kunden neu und vor allem besser zu positionieren.

Im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn fallen zunächst zwei Aspekte ins Auge. Zwar gehört Deutschland bei den gängigen Maklerprovisionen international zu den vergleichsweisen teuren Vertretern. Im Hinblick auf die Zugangsvoraussetzungen und den Grad der Professionalisierung der Branche sind dagegen andere Staaten wie Großbritannien, Schweden, die Niederlande oder Österreich schon erheblich weiter. Dabei bieten die Immobilienmakler in den genannten Ländern – bei teilweise deutlich geringeren Courtagesätzen – ein nicht weniger breites Service- und Dienstleistungsspektrum rund um den Immobilienkauf und -verkauf an und erwirtschaften ein angemessenes und sicheres Einkommen.

Maklerbranche würde profitieren

Im Unterschied zu unserem heimischen Markt verlangt die dortige Situation von den Maklern allerdings, effiziente Prozesse und Strukturen zu etablieren, ohne dass die Qualität der angebotenen Dienstleistung darunter leidet. In Deutschland hingegen werden sinnvolle Innovationen und ein notwendiger (Image-)Wandel durch den Status quo leider eher gebremst als aktiv gefördert. Insofern bietet das Bestellerprinzip auch die große Chance, Transparenz über die Leistungen und Vergütungen der Makler herzustellen.

Insbesondere auf der Käuferseite herrscht oft großes Unverständnis darüber, viel Geld für eine Dienstleistung bezahlen zu müssen, die vom Verkäufer beauftragt und damit auch für den Verkäufer erbracht wird. Durch eine Einführung des Bestellerprinzips wird hier endgültig Klarheit darüber geschaffen, für wen die Arbeit geleistet wird. Der Auftraggeber bestellt aus einem klar definierten Leistungskatalog und zahlt für die Umsetzung den ausgewiesenen Preis.
Wir sind davon überzeugt, dass die Maklerbranche von einem innovativen Wettbewerb mit transparenten Leistungen und Preisen in einem erheblichen Maße profitieren kann, der für potenzielle Kunden deutlich attraktiver ist als heute.

 

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