Brexit: Standard Life entkräftet Panikmache

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procontra: Der Maklerpool blau direkt äußerte Bedenken, dass die „Risiken in eine finanziell schlecht ausgestattete Unternehmenstochter abgeschoben und damit gleichzeitig jeglicher Sicherheit beraubt werden, die normalerweise in Deutschland und Britannien gesetzlich verankert sind. Das Sicherungsprinzip der Lebensversicherung wird ad absurdum geführt.“ Sind diese Bedenken berechtigt?

Nuschele: Diese Bedenken sind absolut unberechtigt. Zunächst mal sind unsere Kunden keine „Risiken, die abgeschoben werden“. Durch unsere Brexit-Pläne wollen wir, im Sinne unserer Kunden Rechtssicherheit, Planungssicherheit und Zuverlässigkeit erreichen. Durch das gesetzliche Verfahren zur Bestandsübertragung werden die Belange unserer Kunden hinreichend gewahrt.

Ein unabhängiges Gericht in Großbritannien unter Einbeziehung aller Aufsichtsbehörden wie der BaFin in Deutschland oder der Central Bank of Irland überwachen das Verfahren und stimmen diesem auch nur zu, wenn die Belange der Versicherungsnehmer hinreichend gewahrt und die Rechte ausreichend geschützt sind. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass durch die Übertragung der Bestände der zweitgrößte irische Lebensversicherer entsteht.

procontra: Ferner behauptet blau-direkt-Chef Oliver Pradetto, „die Briten entscheiden, welche Werte sie den Verträgen über die festgeschriebenen Rückkaufswerte hinaus mitgeben und an die neue Tochter verschieben. Solange alle Verträge im Gesamtbestand des Konzerns verwaltet worden seien, hätten auch deutsche Kunden an stillen Reserven oder einer bewährten Verwaltungsstruktur profitiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine britische Gesellschaft ein großes Interesse daran hat, Finanzmittel in größerem Umfang als absolut nötig aus dem Land in die EU zu schieben. Der Aufbau, der erforderlichen Infrastruktur ließe sich kostenmäßig zudem nicht auf den Gesamtbestand der Standard Life umlegen. Es sei wahrscheinlich unvermeidbar, dass diese ausschließlich den deutschen Kunden aufgebürdet würde. So sei mit höheren Verwaltungsausgaben zu rechnen, was die Erträge verringere.“ Klingt das zu Recht so dramatisch?

Nuschele: Nochmal, die vertraglichen Rechte des Kunden bleiben unverändert erhalten. Standard Life International übernimmt alle Rechte und Pflichten von der Standard Life Assurance, die sich aus dem Versicherungsvertrag ergeben. Daher gibt es keinerlei Grund daran zu zweifeln, dass der Kunde auch nach der Übertragung den ihm zustehenden Vertragswert bekommt.
Auch die Werte der With-Profit-Produkte und die Werte der Fondspolicen ändern sich durch die Übertragung nicht. Die Verwaltung der Kapitalanlagen im With-Profit-Fonds und damit effiziente Strukturen bleiben nach wie vor bestehen.

procontra: Was ist mit den stillen Reserven?

Nuschele: Das britische System kennt gar keine stillen Reserven, da die gesamten Kapitalanlagen zu Marktwerten bewertet werden. Die Kunden profitieren im britischen System vollständig von der Wertentwicklung der Kapitalanlagen. Von daher ist dieses Argument bereits per se entkräftet.

procontra: Und die steigenden Kosten?

Nuschele: Das Kunden im Zuge des Umzugs nach Irland mit höheren laufenden Verwaltungsausgaben rechnen müssen, ist auch nicht korrekt. Versicherungsnehmer, die ihren Versicherungsvertrag nach dem 10. Juli 2006 abgeschlossen haben (Demutualisierung), sind von den Kosten der Übertragung nicht betroffen. Für Versicherungsnehmer, deren Versicherungsvertrag vor dem 10. Juli 2006 abgeschlossen wurde, gilt, dass diese in einen Fonds investiert sind, der einen Teil der Betriebskosten von Standard Life Assurance deckt, und damit auch einen Teil der Kosten für die Übertragung.
Die Kosten der Übertragung, die aus dem Fonds entnommen werden, werden im Vergleich zum derzeitigen Überschusskapital von ca. 1,3 Mrd. £ als unwesentlich veranschlagt. Daher wird dies keinen unmittelbaren Einfluss auf den Wert der Versicherungsverträge haben.

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