Warum ein Mann keine Altersvorsorge ist

Berater Top News Investment-Talk von Detlef Pohl

Diese Erfahrung legt Finanzanlagenvermittlerin Helma Sick insbesondere ihrer weiblichen Klientel ans Herz. Jetzt hat die Anlageexpertin ihre Autobiografie veröffentlicht. Und dürfte sich damit noch mehr Arbeit einhandeln – mit 77 Jahren.

Niemand sollte von einer Partnerschaft finanziell abhängig sein, rät Helma Sick insbesondere Frauen jeden Alters, die sie auch individuell zur Geldanlage berät.

Niemand sollte von einer Partnerschaft finanziell abhängig sein, rät Helma Sick insbesondere Frauen jeden Alters, die sie auch individuell zur Geldanlage berät. Bild: Quirin Leppert

Ich weiß nicht, ob Sie’s wussten: Ein Mann ist keine Altersvorsorge. Dies begründet Helma Sick in ihrem neuen Buch „Aufgeben kam nie in Frage“, das am 1. Oktober erschienen ist. In ihrer Autobiografie illustriert die Pionierin der Frauenfinanzberatung in Deutschland an vielen Stellen, warum Frauen ihr eigenes Geld haben sollten. Inzwischen ist sie 77 Jahre alt, aber kein bisschen leise. Noch immer führt sie die Geschäfte von „frau & geld Helma Sick, Finanzdienstleistungen für Frauen GmbH & Co. KG“ (Zulassung nach Paragrafen 34d und 34f GewO) in München mit.

Warum Frauen auch eine andere Anlageberatung als Männer brauchen, erklärt sie mit großer Geduld ebenfalls in ihrem aktuellen Buch: Frauen, denen generell viel stärker Altersarmut droht, können es sich nicht leisten, Geldthemen bei der Lebensplanung auszublenden, sondern müssen frühzeitig an eine eigenständige finanzielle Absicherung denken. Das Beispiel ihrer Mutter mag da Pate gestanden haben, die schon finanziell zeitlebens ihren Ehemann niemals hätte verlassen können.

Ganz nebenbei lässt Helma Sick ihre bewegende Lebensgeschichte Revue passieren und erzählt von den vielen guten und schlechten Erfahrungen, die sie zu der heutigen markanten Persönlichkeit gemacht haben. Ihre Expertise wird weiterhin nicht nur individuell gesucht, sondern auch bundesweit bei Vorträgen in Einrichtungen und Institutionen.

Nie Anerkennung von der Mutter

Erfolg und Selbstbewusstsein wurden ihr keineswegs in die Wiege gelegt, sondern sie musste sich alles hart erarbeiten, wobei ihr insbesondere ihre Mutter permanent Knüppel zwischen die Beine warf und der Tochter Anerkennung bis zu ihrem Tod verweigerte. Das beschreibt Sick ohne Larmoyanz und mit einer anpackenden Haltung, die gerade vielen Frauen Mut machen dürfte, das eigene Leben in die Hand zu nehmen.

Sick arbeitete unter anderem als Sekretärin, Schreibmaschinenlehrerin und Leiterin eines Frauenhauses. Sie gründete erst mit 46 das Unternehmen „frau & geld“. Es berät Frauen unabhängig zu Finanzen. Sick ist zusammen mit ihrer Nichte Renate Fritz immer noch Inhaberin. Die Mutter – sie adoptierte einen Sohn im Alter von vier Jahren – hatte sich ihrer Berufstätigkeit erneut mit Mitte 40 gewidmet. Dazu machte sie im Abendstudium ihren Abschluss als Betriebswirt, während sie tagsüber mit psychisch eingeschränkten Menschen arbeitete.

„Ich wollte nie finanziell von einem Mann abhängig sein, sondern eigenes Geld verdienen, um wirklich unabhängige Entscheidungen treffen zu können“, sagt Sick. Das Frauenbild der alten Bundesrepublik machte ihr schwer zu schaffen. Die politisch aktive Ehefrau und Mutter nutzte jede Gelegenheit dazu, andere Frauen zu ermuntern, sich finanziell zu emanzipieren. Den Ausschlag, nach dem Abschluss als Betriebswirtin in der Geldanlageberatung zu starten, gab 1986 ein Artikel in „Brigitte“ über zwei Frauen, die eine Finanzberatung für Frauen eröffnet hatten.

Seite 1: Altersarmut bedroht vorrangig Frauen
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