Kritik am Vertrieb von Restschuldversicherungen

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Zu hohe Provisionen, lückenhafter Schutz, zweifelhafte Verkaufspraxis – Verbraucherschützer lassen kein gutes Haar am Geschäft mit Restschuld-Policen. Zur Verbesserung liefern sie 4 Reformvorschläge, darunter auch einen Provisionsdeckel.

Stört sich in vielen Punkten am Geschäft mit Restschuldversicherungen: Dorothea Mohn, Leitung des Team Finanzmarkt beim vzbv.

Stört sich in vielen Punkten am Geschäft mit Restschuldversicherungen: Dorothea Mohn, Leitung des Team Finanzmarkt beim vzbv. Bild: vzbv

Erst vor wenigen Tagen hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) seine Kritik am provisionsbasierten Versicherungsvertrieb erneuert. Nun konkretisieren die Verbraucherschützer ihre Vorwürfe, indem sie die Missstände in einem konkreten Produktbereich identifizieren: Der Restschuldversicherung.

Die Policen, mit denen Verbraucher den Ausfall ihrer Darlehensrückzahlung absichern können, sind schon seit längerem in der Kritik. Vor allem die Provisionen gelten in vielen Fällen als zu hoch. Nicht selten zahlen die Versicherer an die vermittelnden Kreditinstitute Sätze von über 50 Prozent des Versicherungsbeitrags. Das hatte im vergangenen Jahr eine Auswertung der BaFin ergeben.

Darauf bezieht sich auch der vzbv in einem aktuellen Positionspapier zur Regulierung von Restschuldversicherungen. Einer darin enthaltenen Beispielrechnung zufolge würde in den Spitzenfällen von 70 Prozent Provision eine Gesamtprämie von fast 1.700 Euro nur noch 500 Euro Risikoprämie enthalten.

Kritik an Leistungen und Vertrieb

Während die Kritiker die Provisionen als zu umfangreich ansehen, empfinden sie den gebotenen Versicherungsschutz dafür als sehr abgespeckt. So werde unter anderem der Todesfallschutz bei Vorerkrankungen meistens erheblich eingeschränkt und der Leistungszeitraum bei der Absicherung der Arbeitslosigkeit begrenzt beziehungswiese an die Bezugszeit des ALG I gekoppelt.

Zahlreiche Missstände haben die Verbraucherschützer laut ihrem Positionspapier in der Verkaufspraxis von Restschuldversicherungen ausgemacht. Demnach würden die Darlehensnehmer die Versicherung meistens durch simples Ankreuzen eines Kästchens im Kreditvertrag abschließen und vielfach gar nicht wissen, dass sie mit Restschuld-Police und Darlehen zwei unterschiedliche Verträge abgeschlossen haben.

Zudem werde den Kunden im Regelfall nur das Produkt des Exklusivpartners der Bank angeboten. Es gebe keinen Wettbewerb und keine Möglichkeit zum Preisvergleich. Außerdem, so kritisiert der vzbv, werde der Einmalbeitrag für die Restschuldversicherung in der bisherigen Praxis direkt mit dem Kredit finanziert. Die 1.700 Euro aus dem oben genannten Beispiel werden also auf die Darlehenssumme aufgeschlagen.

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