ETF: Warum Plusminus beim Thema Sicherheit irrt

Top News Investment-Talk Investmentfonds von Detlef Pohl

procontra: Wie setzen sich ETF eigentlich zusammen?

Hassenzahl: Bei klassischen ETF genauso wie der Markt, das wurde im Video korrekt dargestellt. Was nicht hinterfragt wurde und wohl auch vielen Beratern nicht bewusst ist: Die klassischen Indizes sind marktkapitalisierungsgewichtet. Soll heißen: Besonders hoch gewichtet sind die Werte, die ohnehin schon teuer und gut gelaufen sind. In einem Umfeld, wie dem aktuellen, ist das ein Risikofaktor, denn in diesen Werten steckt das höchste Rückschlagpotenzial.

procontra: Zeit für Berater, ihr ETF-Wissen aufzufrischen. Wo bietet sich das an?

Hassenzahl: Ich habe für das Financial Planning Standards Board eine Schulung für Berater zum Thema „ETF, Herausforderungen, Fallstricke und Ansätze für moderne Geschäftsmodelle“ durchgeführt. Das Video dauert eine Stunde und ist leider nicht online verfügbar – bis auf die umfängliche Agenda. Unter einem anderen Link gibt es aber ein Endkundenvideo, das die Grundthemen behandelt, insbesondere die Indexgewichtung.

procontra: Wie gefährlich so ein Swap eigentlich?

Hassenzahl: Am Beispiel des im Plusminus-Video genannten MSCI World ETF der Deutschen Bank wird relativ schnell klar, dass das Swap-Risiko wirklich sehr gering ist. Oft scheint hier der Gedanke im Raum zu stehen, der ETF sei bei Ausfall des Kontrahenten wertlos. Das ist ganz und gar nicht der Fall, denn der ETF hat selbst einen Sicherheiten-Korb. Und es ist nicht ein Swap-Kontrahent, sondern mehrere, mit denen die Ausgleichzahlungen getauscht werden – übrigens täglich. Und dank der neuen Emir-Richtlinie ist sowieso nochmal mehr Sicherheit vorhanden.

procontra: Emir-Richtlinie?

Hassenzahl: Es geht dabei um die Regulierung des außerbörslichen Derivatehandels. Dazu trägt die EU-Verordnung European Market Infrastructure Regulation – kurz: Emir – maßgeblich bei. Sie hat die Aufsicht über OTC-Derivate deutlich verschärft. Für ETF bedeutet das, dass auf einen einzelnen Swap-Partner maximal fünf Prozent entfallen dürfen. Früher durfte es das Doppelte sein. Wettbewerbsdruck und Regulatorik haben mittlerweile generell zu deutlich mehr Transparenz und Anlegerschutz geführt. So wird das Thema Wertpapierleihe für das Sicherheitsportfolio von vielen Anbietern ausgeschlossen.

procontra: Haben synthetische ETF jetzt noch einen Sinn?

Hassenzahl: Synthetisch replizierende ETF sind kein Selbstzweck, sondern haben durchaus ihre Berechtigung: Durch die synthetische Nachbildung wird der Tracking-Error zum Index vollständig auf null gesenkt, was einem physischen ETF durch Transaktionen und damit verbundene Kosten nie der Fall ist. Gerade in kleinen Märkten ist eine synthetische Abbildung oft viel effizienter. Logischerweise ist die Kostenquote eben auch geringer und in manchen Fällen zahlen Swap-Kontrahenten sogar noch eine sogenannte „Swap Renditeverbesserung“.

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