Beratungsqualität hängt nicht vom Vergütungsmodell ab

Berater Top News von Michael Fiedler

"Provisionsberatung – Geht es wirklich ohne" fragt der Focus in seiner aktuellen Online-Ausgabe und bietet auch Hardlinerin Dorothea Mohn (vzbv) eine Bühne. Wie sie diese nutzt und was ein kleiner Fehler im Beitrag mit dem Regulierungswahn der letzten Jahre zu tun hat, kommentiert Michael Fiedler.

Honorar Provision Courtage Dorothea Mohn Verbraucherschutz

Ärgert sich, dass Dorothea Mohn (vzbv) einen Zusammenhang von Beratungsqualität und Vergütungsmodell behauptet: Michael Fiedler. Bild: procontra

Das Erfreuliche vorweg: Im Gegensatz zu anderen Artikeln der Publikumspresse gelang dem Focus zum Thema Provision und Beratungsqualität eine differenzierte Betrachtung. So wurde nicht nur die Argumentation der Verbraucherzentrale wiedergegeben, sondern auch Widersprüche und Probleme aufgezeigt. Etwa, dass in Sachen Beratungsqualität kein Anlass besteht, gegen Versicherungsmakler vorzugehen: Die Beschwerdestatistik über sie tendiert gegen Null, wie der AfW unter Verweis auf den Ombudsmann zitiert wird. Oder, dass gerade im Sachbereich Honorarberatung für den Verbraucher viel teurer wäre.

Interessenkonflikt: Kundenbedarf vs. Provisionserlös?

Nichtsdestotrotz darf Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt im Geschäftsbereich Verbraucherpolitik beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, ihre Thesen zur Honorarberatung unwidersprochen verbreiten. So beschwört sie erneut den Interessenkonflikt, der dem Provisionssystem innewohne. Dieser würde darin bestehen, die „Produktempfehlungen weniger am Kundenbedarf als am Provisionsinteresse auszurichten“, so Mohn.

Andererseits weiß Mohn zu berichten: „Die Beratung der Verbraucherzentralen ist anbieterunabhängig und ergebnisoffen. Verbraucher erhalten Unterstützung bei ihren Finanzentscheidungen im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe.“
Hilfe zur Selbsthilfe – das klingt so herrlich pädagogisch. Aber hier verbirgt sich noch etwas anders. Für die Beratungen in den Verbraucherzentralen gelten nicht dieselben Regeln wie für Versicherungsvermittler. Etwa im Bezug auf Sachkundenachweis, Weiterbildung oder Haftung.
Das aber stört Mohn gar nicht – was hat das auch mit Verbraucherschutz zu tun? Wie ideologisch verbohrt Dorothea Mohn dabei vorgeht, zeigte sich bereits vor drei Jahren in einem Interview mit procontra. Darin gesteht sie zwar ein, dass es bei Beratungsqualität und Verbraucherschutz Unterschiede bei den Vertriebswegen gibt, beharrt aber auf dem Interessenkonflikt durch Provisionszahlungen.

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