bAV: Was es mit der Doppelverbeitragung auf sich hat

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Um eine generelle Abschaffung der Doppelverbeitragung für alle Entgeltumwandlungen zu ermöglichen, müssten die Beiträge zur GKV um etwa 0,3 Prozentpunkte angehoben werden. Dies schien vielen Politikern zu brisant, obwohl es bei näherer Betrachtung gar nicht teuer ist. So aber bleibt die Entgeltumwandlung weiter ein Mekka für privat Krankenversicherte. Dabei wollte die Bundesregierung gerade Geringverdiener stärker für die bAV interessieren.

Als Kompromiss zeichnet sich ab, zur früheren Regelung bis 2003 mit dem halben Beitragssatz auf Betriebsrenten zurückzukehren. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums würde dies allein für 2016 (da liegen gesicherte Zahlen vor) rund 2,86 Milliarden Euro Beitragsausfälle für die GKV bedeuten. Der Spitzenverband der GKV nannte auf dieser Basis als Ausgleich für die Beitragsausfälle einen Anstieg des Beitrages um 0,214 Punkte als nötig.

Nur gut 3 Euro Beitrag mehr für 3.000-Euro-Verdiener

Bei paritätischer Finanzierung wären das pro Arbeitnehmer mit 3.000 Euro Bruttolohn lediglich 0,107 Prozentpunkte oder 3,21 Euro mehr im Monat. Wegen dieses Betrages so viel Diskussion? In Wahrheit wird es sogar noch preiswerter, denn 50 Prozent Entlastung der Betriebsrenten mit SV-Beitrag bedeuten nicht 2,86 Milliarden Euro Einnahmenausfall. „Man müsste ehrlicherweise nach Art der Finanzierung (arbeitgeberfinanziert oder Entgeltumwandlung vom Arbeitnehmer) oder nach steuerlicher Behandlung differenzieren“, sagt Olaf Keese.

„Bei schätzungsweise 17 Prozent Verursachungsanteil der Entgeltumwandlung an den gesamten Betriebsrenten bleiben nur noch etwa 486 Millionen Euro übrig“, ergänzt der geschäftsführende Gesellschafter von EbAV-Consulting GmbH und Vorstand der Pensionskasse Peugeot Deutschland. „Wenn die Kassenlage dies nicht verkraftet, wären die vielen großen Worte zur Bedeutung und Förderung der bAV nichts weiter als pure Lippenbekenntnisse“, so Keeses Fazit.

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