Solvency II-Berichte: BaFin kritisiert Versicherer

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Die deutschen Versicherer mussten dieses Jahr zum zweiten Mal ihre Solvabilitätsberichte veröffentlichen. Die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat darin einige Verbesserungen, aber auch zahlreiche Mängel entdeckt.

Aus Sicht der BaFin ist auch die zweite Auflage der Versicherer-Solvenzberichte weniger konkret und detailliert als erforderlich.

Aus Sicht der BaFin ist auch die zweite Auflage der Versicherer-Solvenzberichte weniger konkret und detailliert als erforderlich. Bild: BaFin

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sieht auch in der zweiten Auflage der von rund 340 deutschen Versicherern vorgelegten Solvabilitäts- und Finanzberichte viele Defizite. Das geht aus einer Stellungnahme der Aufsicht im aktuellen BaFin-Journal hervor. Zur ersten Auflage der Berichte hatte sich die BaFin im Juli vergangenen Jahres geäußert

Eine stichprobenhafte Erhebung zur Qualität der aktuellen Berichte habe zwar ergeben, dass Unternehmen, die die BaFin im vergangenen Jahr wegen festgestellter Defizite angeschrieben hatte, diese nun überwiegend zufriedenstellend behoben haben. Die Berichte einiger Versicherer hätten sich qualitativ sogar deutlich verbessert, heißt es. Auch bei den für die Verbraucher wichtigen Zusammenfassungen der SFCR (Solvency and Financial Condition Reports) haben sich laut der Behörde deutlich weniger Mängel gezeigt.

„Weniger konkret und detailliert als erforderlich“

Dennoch hat die BaFin bei den aktuellen Berichten zahlreiche Schwachstellen ermittelt, die zeigen, „dass das zu fordernde Qualitätsniveau immer noch nicht erreicht ist. Die BaFin erwartet deshalb von den Unternehmen, dass diese ihre Berichte weiter optimieren“, heißt es im September-Journal der Aufsicht.

Konkret bemängelt die BaFin unter anderem die Vollständigkeit der Berichte. In der Erfüllung der Anforderungen und Leitlinien von europäischer (Eiopa) und nationaler Aufsicht seien zwar zumindest gewisse Fortschritte zu verzeichnen. Obwohl diese Anforderungen und Leitlinien konkret vorgegeben sind, würden sie aber nicht immer Beachtung finden. „Dadurch werden bestimmte Gesichtspunkte vernachlässigt, die die Versicherer eigentlich mit abdecken sollen, und Angaben sind weniger konkret und detailliert als erforderlich“, kritisiert die BaFin.

Verweise auf komplexe Zahlenwerke statt direkte Nennung

In ihren SFCR müssen die Versicherer zu 5 Bereichen Informationen offenlegen: Geschäftstätigkeit und -ergebnis, Governance-System, Risikoprofil, Bewertung für Solvabilitätszwecke und Kapitalmanagement. Besonders im Bereich Governance-System wurden auch in den aktuellen Berichten zu allgemeine, kaum unternehmensspezifische Aussagen als Defizit ausgemacht.

Als einen weiteren wesentlichen Kritikpunkt sieht man bei der Aufsicht, dass einige Versicherer Angaben, die im Textteil zu machen sind, durch Verweise auf die Zahlenwerke im Anhang ersetzen.

Darüber hinaus schreibt die BaFin: „Auch nicht ausdrücklich vorgeschriebene Informationen müssen offengelegt werden, wenn sie geeignet sind, das Urteil oder die Entscheidungen der Nutzer des SFCR zu beeinflussen. An der Zurückhaltung der Unternehmen bei der Offenbarung solcher Zusatzinformationen hat sich jedoch bislang wenig geändert.“

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