LV: Gewinnabführungsverträge weiter in der Kritik

Versicherungen von Florian Burghardt

Ärger beim GDV und seinen Mitgliedern: Politische Finanzexperten erneuern ihre Kritik an den Gewinnabführungsmodellen zahlreicher Lebensversicherer. Die Bundesregierung hat dazu aktuelle Zahlen vorgelegt.

Aus Sicht von Linken und Grünen lassen die Lebensversicherer Geld auf ihre Aktionäre regnen, während die Versicherten in die Röhre schauen.

Aus Sicht von Linken und Grünen lassen die Lebensversicherer Geld auf ihre Aktionäre regnen, während die Versicherten in die Röhre schauen. Bild: geralt/Pixabay

Die Finanzexperten der oppositionellen Parteien kritisieren weiterhin das Geschäftsgebaren vieler Lebensversicherer. Im Kern geht es um den Vorwurf, dass die Unternehmen durch separate Verträge Gewinne an ihre Aktionäre ausschütten und dafür ihre Kunden mit den negativen Aspekten der Niedrigzinsphase alleinlassen. Mit solchen Gewinnabführungsverträgen würden die Lebensversicherer zudem bewusst einen Schutzmechanismus des LVRG umgehen, hatte Gerhard Schick von Bündnis 90/Die Grünen der Branche bereits im März vorgeworfen.

Nun kommt neues Wasser auf die Mühlen der LV-Kritiker. Die Süddeutsche Zeitung zitiert dazu Hubertus Zdebel von den Linken mit den Worten: „Versicherte bleiben die Gelackmeierten des Lebensversicherungsreformgesetzes. Während die Gewinnabführungen förmlich explodieren und Aktionären auf diese Weise Geld zugeschanzt wird, werden Versicherte kaum beteiligt und haben das Nachsehen."

Gewinnabführungsverträge liegen im Trend

Damit spielt Zdebel auf die Informationen der Bundesregierung an, die diese nun auf Drängen der Linken-Bundestagsfraktion veröffentlicht hat. Demnach wächst die Anzahl der Unternehmen, die auf Grundlage eines separaten Vertrages Gewinne an ihre Obergesellschaften abführen, obwohl das 2014 eingeführte LVRG in Zeiten niedriger Zinsen eigentlich eine Ausschüttungssperre vorsehen würde. So stieg die Anzahl der Lebensversicherer mit Gewinnabführungsvertrag (allesamt Aktiengesellschaften) auf 37 im Jahr 2017. Im Jahr 2014 waren es noch 28 gewesen.

Mit der Anzahl der Unternehmen ist auch die Summe der Gewinnabführung gestiegen: Gegenüber 2016 um 415,3 Millionen Euro auf 1,531 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dem stehen 800.000 Euro Verlust eines einzigen Versicherers gegenüber. Dieser Betrag wurde von der Obergesellschaft des Lebensversicherers ausgeglichen – denn auch diese Funktion beinhalten die Gewinnabführungsverträge.

GDV will Vorwürfe entkräften

Mit diesem Aspekt wird auch seitens des GDV argumentiert. So würde ein großer Teil der abgeführten Beträge als Eigenkapital zurück in die Unternehmen fließen und damit deren Risikotragfähigkeit stärken, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Gesamtverbands. Und weiter: „Zwischen 2011 und 2016 stieg das Eigenkapital der Lebensversicherer um rund 3,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2017 kamen weitere gut 700 Millionen Euro hinzu – dies entspricht rechnerisch knapp der Hälfte der Gewinnabführung.“

Außerdem würden trotz der separaten Verträge immer noch 96,3 Prozent dessen, was die Lebensversicherer erwirtschaften, an die Versicherten gehen. Das waren, laut GDV-Zahlen, in den Jahren 2011 bis 2017 immerhin 292 der insgesamt rund 303 Milliarden Euro.