Der Versicherungsombudsmann hört auf

Versicherungen von Florian Burghardt

Nach über einem Jahrzehnt als Chef-Schlichter der Branche gibt Prof. Dr. Günter Hirsch sein Amt ab. Ein Nachfolger steht bereits fest. Der Ombudsmann hat einige Macht über die Versicherer - und regelmäßig kuriose Schadenfälle auf dem Tisch.

Der scheidende Versicherungsombudsmann Prof. Dr. Günter Hirsch hat in seiner langen Amtszeit einige kuriose Schadenfälle gesehen Eine Auswahl findet sich unten in diesem Artikel.

Der scheidende Versicherungsombudsmann Prof. Dr. Günter Hirsch hat in seiner langen Amtszeit einige kuriose Schadenfälle gesehen Eine Auswahl findet sich unten in diesem Artikel. Bild: Versicherungsombudsmann e.V.

Nach 11 Jahren an der Spitze der staatlich anerkannten Verbraucherschlichtungsstelle Versicherungsombudsmann e. V. wird Prof. Dr. Günter Hirsch sein Amt als Chef-Schlichter am 31. März 2019 abgeben. Das haben die Gremien der Schlichtungsstelle dieser Tage beschlossen.

Hirsch hatte die Aufgabe 2008 im Anschluss an sein Amt als Präsident des Bundesgerichtshofs übernommen. Zuvor war er Richter am Europäischen Gerichtshof. Mitgliederversammlung und Beirat dankten Hirsch für seine Tätigkeit und würdigten seine Amtsführung. Er habe die Schlichtungsstelle, die größte ihrer Art in Deutschland, erfolgreich weiterentwickelt und ihr großes Ansehen unter den Verbrauchern und in der Öffentlichkeit verschafft, hieß es.

Nachfolger steht fest

Auch der neue Ombudsmann steht bereits fest. Zum 1. April 2019 wird der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts Dr. h. c. Wilhelm Schluckebier das Amt übernehmen. Er kann auf eine Karriere als Bundesanwalt und später Richter am Bundesgerichtshof zurückblicken. Zudem war Schluckebier von September 2006 bis November 2017 Richter des Bundesverfassungsgerichts, wo er unter anderem für das Recht des Versicherungswesens zuständig war.

Nun wird Schluckebier die Aufgabe des obersten Streitschlichters in der Versicherungsbranche übernehmen. Die Position des Versicherungsombudsmanns bringt eine nicht unerhebliche Entscheidungsgewalt mit sich. Über 290 Versicherungsunternehmen, die mehr als 95 Prozent des Marktes im Privatkundengeschäft repräsentieren, sind als Mitglieder an die Schlichtungsstelle angeschlossen. Der Ombudsmann kann sie bis zu einem Betrag von 10.000 Euro zur Leistung verpflichten. In dieser Funktion hat der Ombudsmann auch immer wieder kuriose Fälle zur Entscheidung auf seinem Tisch. Eine Auswahl haben wir in der unten stehenden Bilderstrecke zusammengestellt.

So schlichtet der Ombudsmann: 5 Beispielfälle

Wohngebäudeversicherung
Am Schadentag herrschte starker Sturm mit Spitzen von Windstärke 11. Die Ehefrau des Versicherungsnehmers wollte auf der Loggia noch schnell einige dort stehende Gegenstände vor dem Sturm sichern. Als sie die Balkontür öffnete, fuhr eine Windböe über die Loggia, so dass die offen stehende Wohnzimmerinnentür zuschlug und zu Bruch ging. Der Versicherer lehnte eine Kostenübernahme mit der Begründung ab, dass keine unmittelbare Sturmwirkung den Schaden verursacht habe, sondern ein Durchzug, der laut Vertragsbedingungen nicht versichert sei. Der Ombudsmann argumentierte, dass laut dieser Logik nur noch Schäden an der Außenumgrenzung eines versicherten Gebäudes durch den Winddruck versichert wären. Dies ist jedoch den Versicherungsbedingungen nicht zu entnehmen. Daraufhin regulierte der Versicherer den Schaden.
 
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