BU-Schutz: Vorsicht mit der GDV-Statistik

BU-Vorsorge von Michael Fiedler

Veröffentlicht der Branchenverband GDV Statistiken zur Berufsunfähigkeit, sorgt das regelmäßig für Unmut in den Reihen der Vermittler. Woran sich die Kritik entzündet.

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Leistungsquote 77 Prozent? Dann scheint ja im BU-Bereich alles gut zu sein, oder? succo / pixabay

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird nicht müde, sich gegen den Vorwurf, Versicherer würden systematisch Leistungen verweigern, zur Wehr zu setzen. Der Branchenverband verweist deshalb auf die „anhaltend hohe Leistungsquote“ im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherungen. So war in der BU-Statistik 2017 u.a. davon die Rede, dass 77 Prozent aller Leistungsanträge angenommen würden (siehe Grafik).

Der Verband wiederholte diese Zahl jüngst in einem Faktencheck, um einen Beitrag in der ZDF-Sendung „Frontal 21“ einzuordnen.

Kritik an Angaben zur Leistungsquote

Diese Angaben wurden u.a. vom Analysehaus Franke & Bornberg kritisiert. Das Unternehmen war bei eigenen Untersuchungen zu ganz anderen Werten gekommen. Bezogen auf alle Anträge würde die Leistungsquote demnach knapp 65 Prozent betragen. Erst wenn man auch die Fälle berücksichtigte, in denen die Anträge zurückgezogen wurden bzw. die aufgrund fehlender Mitwirkung eingestellt wurden, kam man auf eine Quote von fast 75 Prozent.

Auf weitere Schwächen bei der Ermittlung der Leistungsquote weist BU-Fachmakler Gerd Kemnitz auf seinem Blog hin. Der Experte moniert u.a., dass die Statistik nicht zwischen den verschiedenen Tarifstufen der Anbieter unterscheidet. Ein Basis-Tarif würde eben nicht jene Versicherungsbedingungen anbieten, mit denen sich teurere Premium-Tarife auszeichnen. „Es liegt in der Natur der Sache, dass bei einem Basistarif Leistungen häufiger abgelehnt werden. Deshalb vergleichen wir ja die Versicherungsbedingungen. Aber was nützt eine Leistungsquote, die alle BU-Tarife einer Gesellschaft ‚über einen Kamm schert‘“, so der Makler auf seinem Blog. Die Leistungsquote nach Versicherer zu ermitteln, sei deshalb wenig überzeugend.

Kemnitz rät deshalb: „Achten Sie besser auf optimale Versicherungsbedingungen. Diese bleiben während der gesamten Vertragsdauer gültig und können notfalls auch eingeklagt werden – das Einhalten von Leistungsquoten dagegen nicht!“

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