Betriebsrente: Aktuelle Vertriebsansätze für Makler

Berater Top News von Detlef Pohl

Rahmenbedingungen weiter verbesserungswürdig

Die Doppelverbeitragung bei Riester-Betriebsrenten sei durch das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (BRSG) zum 1. Januar schon abgeschafft worden, erinnerte Niermann. Derzeit werde eine Erleichterung auch für die anderen Betriebsrenten diskutiert. „Entgeltumwandlung lohnt auf jeden Fall mehr als das Umlageverfahren bei der gesetzlichen Rente“, betonte der Experte von Mercer, wo vor allem der gehobene Mittelstand beraten wird.

„Betriebsrente ist nicht pauschal lohnenswert“, meint dagegen Frank Tengler-Marx, Geschäftsführer Pro Consult GmbH. Der auf Kleinbetriebe spezialisierte Versicherungsmakler verwies darauf, dass derzeit vor allem privat Krankenversicherte Vorteile hätten, bei denen zusätzlich die deutlich niedrigere Steuerbelastung im Alter positiv ins Gewicht falle.

„Für Arbeitgeber ist der Paragraf 100 EStG in Kombination mit dem Freibetrag bei der Grundsicherung jetzt ein guter Beratungsanlass“, erklärte Claudia Tüscher. Dieses Geschenk sei für Geringverdiener sinnvoller als eine Riester-bAV, so die Teamleiterin Vorsorgemanagement baV beim Maklerpool Maxpool. Vernünftig sei gerade für Geringverdiener zudem, vermögenswirksame Leistungen in Betriebsrente umzuwandeln.

Opting-out in Kleinst- und Kleinbetrieben unbekannt

Opting-out-Modelle könnten eine gute Lösung sein, um die Durchdringung der bAV zu steigern, meint Karsten Lewe, Prokurist der NDC AG, Beratungsgesellschaft für betriebliche Versorgungen. Allerdings funktioniere dies im Moment allenfalls in Großbetrieben, ergänzte der Finanzplaner und Honorarberater. Makler Tengler-Marx pflichtete ihm bei: „Ich kenne bei meinen KMU-Kunden kein solches Modell und mache dazu nichts.“ Vielfach würden die Gewerkschaften auch in Großbetrieben beim Opting-out bremsen, berichtete Niermann.

„Arbeitgeber sollten schon jetzt den 15-Prozent-Zuschuss bei Entgeltumwandlung zahlen“, forderte Professor Ullrich. Dies stärke das Vertrauen der Arbeitnehmer und binde Fachkräfte. Das BRSG verpflichtet Firmenchefs für alle neu vereinbarten Entgeltumwandlungen ab 2019 und bei allen Entgeltumwandlungsverträgen im Bestand ab 2022, mindestens 15 Prozent des Umwandlungsbetrages als Zuschuss an die Versorgungseinrichtung weiterzuleiten, soweit er selbst durch die Entgeltumwandlung SV-Beitrag spart. Viele Firmen zahlen schon länger den Arbeitgeberzuschuss von 20 Prozent, berichtete Tüscher. Maxpool habe schon lange so beraten und damit meist Erfolg gehabt.

Variablere Vergütung im Kommen

Doch Beratungsleistung muss bezahlt werden. Es überwiegen Provisionsmodelle zu Gruppenkonditionen, aber mehr Folgecourtagen als früher zulasten Abschlusscourtage, betonte Tüscher, wobei Extras wie die Übernahme von Bestandsverträgen inzwischen kostenpflichtig seien. Auch Makler Tengler-Marx bietet weiter Full-Service ohne Honorar, wobei er „höhere Folgecourtagen zulasten der Abschlussvergütung bevorzugt“.

Lewe setzt dagegen auf Honorarberatung, zumal „Firmenchefs auch Servicevereinbarungen akzeptieren“. Er sieht die größten Chancen bei Pensionszusagen und U-Kassen, weil das Kapital die Firma nicht verlässt und so verlässliche Leistungszusagen möglich seien.

Als die wichtigsten Punkte, bei denen in Sachen bAV nachgebessert werden sollte, nannte Arbeitsrechtler Ulrich die überfällige Anpassung des Paragrafen 6a EStG zur Abzinsung von Pensionsrückstellungen, wo noch immer 6,0 Prozent Zins veranschlagt werden, sowie die Abmilderung der Doppelverbeitragung von Betriebsrenten. Eine Integration der reinen Beitragszusage des SPM in die alte bAV hält Ulrich für unrealistisch.

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