Kostenausweis: Bei Fonds droht Chaos

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Kostenausweis verstehen allenfalls Experten

Doch nicht nur die Berechnung der Kosten unterscheidet sich, sondern auch deren Ausweis. Priips weist die Kosten auf Basis der voraussichtlichen Haltedauer und des prognostizierten Ertrags in Prozent pro Jahr aus. Mifid macht dazu keine eindeutige Vorgabe, verlangt aber, Kostenschwankungen und -spitzen zu veranschaulichen. Das wird derzeit so interpretiert, dass die Kosten für das Jahr darzustellen sind, in dem sie tatsächlich anfallen. Das heißt wiederum, dass die Kosten eben nicht als jährliche Durchschnittskosten angegeben werden. „Man muss schon Fachmann sein, um die Zahlen richtig einzuordnen“, sagt Kuper.

Der BVI möchte den für 2020 vorgesehenen Start der Priips-Pflicht für alle deutschen Publikumsfonds gern um zwei Jahre verschieben. Bislang gilt die Richtlinie nur für fondsgebundene Versicherungen. Der BVI fürchtet, dass unterschiedliche Kostenangaben in unterschiedlichen Informationsblättern Verwirrung stiften und die Rufverbesserung in puncto Transparenz gefährden. Zudem stört er sich an der Verpflichtung, vier Szenarien für die künftige Wertentwicklung aufstellen zu müssen.

Solche Regulierungsmaßnahmen üben Druck auf die Gebühren von Investmentfonds aus. Bislang summieren sich die Gebühren mitunter auf 2,5 Prozent des Anlagebetrages. Geht das nicht billiger? Bei passiven Fonds, die nur einen Index nachbauen, schon. Häufig bleiben deren Gesamtkosten unter 1,0 Prozent. Seit etwa drei Jahren gibt es zudem Fondstranchen, die ohne Bestandsprovisionen auskommen, sogenannte „Clean Shares“. „Es gibt aber noch keine Bank, die Clean Shares für Endkunden anbietet“, sagte Michael Jensen, Leiter der Vermögensverwaltung der Luxemburger Moventum, kürzlich der FAZ. Die Fondsdienstleistungsplattform bietet zwar die Verwaltung von „Clean Shares“ an. Die Adressaten dieser Dienstleistung sind jedoch Honorarberater. Denen bietet Moventum die Chance, Anteile auch ohne Bestandsprovisionen zu verwalten.

Jensen glaubt, dass die Tage der Bestandsprovision mittelfristig gezählt sind. Dazu trage Mifid II maßgeblich bei. Druck komme vor allem von vermögenden Privatkunden und Unternehmen, die Kostenquoten von zwei Prozent und mehr nicht mehr akzeptieren würden. Clean Shares seien da ein richtiger Schritt. „Der Vertrieb entscheidet, gibt er den Vermögensverwaltern doch vor, welche Gebühren möglich sind“, so der Moventum-Chef.

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