Emerging Markets werden die Türkei-Krise überstehen

Investmentfonds Investment-Talk von Christophe Bernard

Die gegenwärtigen Turbulenzen in der Türkei sollten eher nicht zu einer größeren Krise in den Schwellenländern (EM) führen, findet Christophe Bernard, Leiter der Multi Asset Boutique, Vontobel Asset Management. Welche Gründe er für die Underperformance der Schwellenländer in diesem Jahr sieht, erklärt er im Gastkommentar.

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Christophe Bernard, Leiter der Multi Asset Boutique, Vontobel Asset Management hält das Ansteckungsrisiko in der Türkei-Krise für gering. Bild: Vontobel

Schwellenländerwährungen, -anleihen und -aktien weisen in diesem Jahr bisher eine negative Wertentwicklung auf. Türkische Vermögenswerte haben dabei noch stärker gelitten, da die türkische Lira seit Jahresbeginn 45 Prozent an Wert verloren hat. Der Ausverkauf Ende letzter Woche war teilweise auf die Angst der Investoren vor Ansteckungsrisiken zurückzuführen, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) in einem Bericht die hohe Positionierung europäischer und vor allem spanischer Banken in der Türkei hervorgehoben hatte. Allerdings halten wir die Ängste für übertrieben, da diese Banken unseres Erachtens keine Kapitalisierungsprobleme haben.

Die Türkei ist ein Sonderfall

Wenn die globale Liquidität sinkt oder sich verteuert, was aktuell der Fall ist, sind Schwellenländer sehr anfällig wenn ihre kurzfristige Auslandsverschuldung und ihr Leistungsbilanzdefizit sehr hoch sind. Die Türkei ist ein Beispiel dafür. Der anhaltende Einbruch der Lira spiegelt den negativen Trend der Indikatoren des Landes wider, einschließlich eines Leistungsbilanzdefizits von 6,7 Prozent des BIP. Andere länderspezifische Faktoren haben zum Preisverfall der Vermögenswerte beigetragen. Die hohe Inflation (derzeit 15,9 Prozent im Jahresvergleich) war in der Türkei immer ein Thema. Da die Inflation eine Schlüsselvariable bei der Bestimmung der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ist, müssen Hochinflationsländer ihre Währung abwerten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Da die neue (alte) Regierung offenbar bereit ist, die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank zu untergraben, sind die Aussichten auf eine Stabilisierung der Inflation und der Währung getrübt.

Darüber hinaus ist die Türkei hinsichtlich ihrer Devisenreserven nicht besonders gut aufgestellt. Das könnte die Fähigkeit, die Währung durch Interventionen an den Devisenmärkten zu stützen, beeinträchtigen. Ein Verhältnis von Fremdwährungsreserven zu kurzfristigen Schulden von unter 1 ist besonders beunruhigend. Die Behörden können daher auf Kapitalverkehrskontrollen zurückgreifen. Bei korrekter Umsetzung sind diese eine effektive Maßnahme zur Begrenzung der Währungsabwertung. Gleichzeitig schränken sie jedoch die Attraktivität der Türkei für Fremdkapital ein, was das Risiko einer Rezession erhöht.
Ohne Reformen, welche die Inflation in der Türkei wieder auf ein vernünftiges Maß reduzieren, dürfte die Währung damit auch weiterhin auf dem Weg nach unten bleiben.

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