Warum Versicherungsmakler nichts mit Eisverkäufern gemein haben

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Vermittler haben nur einmalig mit dem Kunden zu tun?

2. „Das große Problem im Umgang mit Geld ist die ‚Einmaligkeit‘ der Geschäfte, schreibt Looman. Die fehlende Möglichkeit, im Leben viele Versicherungen abzuschließen und durch ständige Wiederholung zu lernen, verleite einzelne Versicherer dazu, „fragwürdige Produkte herzustellen und diesen Müll mit Hilfe geldgieriger Verkäufer an den Mann zu bringen“. So wie der Eisverkäufer in Neapel „minderwertige“ Ware anbieten kann, weil die meisten Touristen dieses Eis nur einmal kaufen, müssen Versicherer kaum Sanktionen fürchten, so Looman. Das mag im Einzelfall so sein. Auch hier arbeiten Versicherungsmakler aber für Wiederholung und Transparenz.

Zur Erinnerung: Zum Berufsbild des Maklers gehören: Risikoerfassung und Risikobewertung, Analyse des bisherigen Versicherungsschutzes und Bewertung, Platzierung und Abschluss des Versicherungsvertrages, Vertragsbetreuung und Assistenz im Schadenfall. Im Idealfall ist der Makler damit ständiger Begleiter des Kunden – über viele Jahre hinweg. Der Vermittler muss nach der neuen Versicherungsvermittler-Verordnung, die wahrscheinlich im Oktober in Kraft tritt, nun vor Abschluss des Versicherungsvertrages dem Kunden auch mitteilen, wie er vergütet wird.

Verkauf von Finanzprodukten nur per Überweisung vom Staat und durch Honorarberater?

3. Looman will als Ausweg aus der Misere, dass sich kaum ein Verbraucher ernsthaft mit Gelddingen beschäftigen möchte, der Finanzbranche untersagen, ihre Produkte an Privatleute zu verkaufen. Der Staat soll lieber eine Verschreibungspflicht für Finanzprodukte einführen, die von Finanzberatern mit staatlicher Zulassung auf Honorarbasis erledigt wird, die eine Ausbildung absolvieren, eine Prüfung ablegen und für ihre Fortbildung sorgen.

Auch das impliziert, als würden Versicherungsmakler wie Blinde von der Farbe reden. Tatsächlich benötigen Versicherungsvermittler spätestens schon seit elf Jahren - seit 22. Mai 2007 - eine staatliche Zulassung (Gewerbeerlaubnis nach § 34d GewO), müssen in ein staatliches Vermittlerregister eingetragen sein, eine angemessene Berufshaftplicht-Versicherung für Schadenersatzfälle bei Falschberatung nachweisen und einen Sachkundenachweis (mit Prüfung!) für die Vermittlungstätigkeit vorweisen.

Das IDD-Umsetzungsgesetz hat zudem bestimmt, dass Finanzvermittler die freie Wahl der Vergütungsform haben (§ 34d Absatz 1 Satz 5 bis 8 GewO). Auch Mischmodellen aus Provision und Honorar für Versicherungsmakler steht grundsätzlich nichts im Weg, wenn die Transparenz und Beratungsqualität für den Kunden gewahrt sind. Das Umsetzungsgesetz brachte auch Änderungen im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). So sind seit 23. Februar 2018 die neuen Regeln zur Vertriebsvergütung und Vermeidung von Interessenkonflikten in Kraft (§ 48a VAG).

Neue Versicherungsvermittlungs-Verordnung bringt noch mehr Transparenz

Die derzeit im Gesetzgebungsverfahren befindliche Entwurf der neuen Versicherungsvermittlungs-Verordnung wird über die freiwillige Weiterbildung von Versicherungsvermittlern über mindestens 15 Stunden pro Jahr eine verpflichtende Weiterbildung über 15 Stunden bringen. Darüber hinaus gibt es Präzisierungen zum Erlaubnisverfahren, zu den Informationspflichten gegenüber Kunden, zum Stellen von Sicherheiten, zu den Anforderungen an den Geschäftsbetrieb, zu den Dokumentationspflichten, zur Behandlung von Beschwerden und zum Vermeiden von Interessenkonflikten.

Fazit: Die Regulierung im Sinne von mehr Verbraucherschutz könnte kaum weiter gefasst sein. In kaum einer anderen Branche wird die Berufsausübung so weitgehend vorgegeben. Was bei (angestellten) Bankberatern in Teilen womöglich noch verbesserungswürdig ist, kann bei (unabhängigen) Versicherungsmaklern abgehakt werden. Sie haben eben nichts mit Eisverkäufern gemein.

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