Run-Off: So profitiert der Kunde

Versicherungen Top News von Frank Genheimer

Das Thema „Run-Off“ ist für das mediale Sommerloch ein gefundenes Fressen und längst schon hat sich ein Populismus breit gemacht, der mit seinem Kreuzzug gegen die Versicherungsbranche das System der privaten Altersvorsorge gefährden kann, kommentiert Frank Genheimer.

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Frank Genheimer sieht auch Vorteile für den Kunden bei Run-Off. Bild: Genheimer

Run-Off wird heiß und kontrovers diskutiert. Selbst die Versicherungsbranche ist gespalten. Während sich einige Branchengrößen ganz klar gegen einen externen Run-Off ausgesprochen haben, gibt es Unternehmen, die öffentlich den externen Run-Off zur Option gemacht haben. Die Generali Gruppe geht jetzt genau diesen Weg.

Rein sachlich betrachtet, ist ein Lebensversicherer nichts Anderes als eine Serviceplattform, die einem einzelnen Kunden die Teilnahme am „Ausgleich im Kollektiv“ ermöglicht. Wenn sich ein Lebensversicherer das Geschäft nicht mehr zutraut, kann er als Weg den externen Run-Off wählen. Die Verträge wechseln dann von ihm zu einer anderen Serviceplattform, die alle Rechte und Pflichten übernimmt. Bei der neuen Plattform handelt es sich auch um ein Versicherungsunternehmen. Eine Abwicklungsplattform unterliegt daher den gleichen Gesetzen und der gleichen Aufsicht wie der bisherige Versicherer. Es gelten die gleichen Spielregeln und so ändert sich auf dem Papier, außer vielleicht der Name und die Anschrift des Versicherers, absolut nichts.

Wettbewerb gut für Kunden

Die emotionale Komponente beim Run-Off hat die Branche aber unter den Tisch fallen lassen. Gerade in der Lebensversicherung geht es um Vertrauen und Sicherheit, und es geht eben auch um viel Geld. In der Presse wird fast nur von den Risiken für die Kunden gesprochen. Dabei ist ein Wettbewerb doch immer gut für den Kunden. Für sie eröffnet sich ein Potenzial auf höhere Überschussbeteiligung, weil die Abwicklungsplattform die Verträge effizienter verwaltet, eine bessere Kapitalanlagepolitik macht und eventuell auch die Versicherungsrisiken, dank größerer Kollektive, besser im Griff hat.

Eine Abwicklungsplattform wird zudem moderne Technologie einsetzen. Die alteingesessenen Versicherer haben häufig noch Berührungsängste damit oder es fehlt ihnen einfach die Fantasie, diese zum Nutzen des Kunden sinnvoll einzusetzen. Es ist für den Kunden unter Umständen sogar besser, wenn sein Vertrag nicht mehr vom alten Versicherer verwaltet wird. Und klar ist auch: Ohne Kunden sind Versicherer und auch Abwicklungsplattformen überflüssig, also tun beide Parteien gut daran, ihre Kunden gut und fair zu behandeln.

Die Branche hat Fehler gemacht

Zweifelsfrei hat die Branche Fehler gemacht. Die Entwicklungen am Kapitalmarkt und auch die rasch wechselnden regulatorischen und technischen Rahmenbedingungen tragen natürlich auch maßgeblich dazu bei, dass das traditionelle Geschäfts- und Betriebsmodell auf der Kippe steht. Dennoch ist ein Unternehmen für sein Geschäfts- und Betriebsmodell selbst verantwortlich. Statt das Modell zu hinterfragen und zu erneuern, wird bei vielen Unternehmen weiterhin am traditionellen Modell und mit aller Kraft am Status Quo festgehalten. Hier liegt das eigentliche Problem.

Sowohl eine Überarbeitung des Geschäftsmodells als auch Run-Off in Form einer Branchenlösung zu realisieren, wurde völlig verschlafen. Der Branche muss es gelingen, den Populismus rund um das Thema einzudämmen, denn sonst drohen nicht nur politische Schnellschüsse und Verschlimmbesserungen, sondern neben Abgängen im Bestand auch weniger Neugeschäft. Das eigentliche Problem hat die Branche selbst erschaffen, aber sie kann es auch selbst lösen.

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